8. Schule als lernende Organisation

Von der tradierten Institution zur lernenden Schule. Kapitel 8 als PDF-Download Jede Schule ist ein eigenes System mit unterschiedlichen Individuen und Akteuren, spezifischen Voraussetzungen und zu bewältigenden Herausforderungen. Eine nachhaltige und vitale Erneuerung erfordert den Mut, neue Wege zu gehen, sich als Lernende zu begreifen, Bewährtes zu hinterfragen und sich für Ungewohntes zu öffnen. Margret Rasfeld “Schule als lernende Organisation” für Schule im Aufbruch from Schule im Aufbruch on Vimeo. Videostatement: Margret Rasfeld, Schulleiterin der Evangelischen Schule Berlin-Zentrum
„If we want the world to improve, then we will need schools that learn.“ Peter Senge

Inhalt:

1. Schule als lernende Organisation 1.1 Die lernende Schule 1.2. Organisation der Zusammenarbeit 2. Möglichkeiten, Beispiele und Links 2.1. Leitprinzipien der connected principals 2.2 Woran Schulen denken sollten 2.3 Interessante Links 1. Schule als lernende Organisation 1.1 Die lernende Schule Eine Schule, die sich in den Transformationssprozess begibt steht vor der großen Aufgabe, die Paradigmen der tradierten Institution Schule zu verändern. Sie muß sich neu orientieren, eingefahrene Routinen aufbrechen und eine Vision für ihre Zukunft entwickeln. Somit begibt sich auch die Schule als Institution in Lernprozesse, die eine neue Lernkultur erfordern und schaffen. Jede Schule ist ein eigenes System. Sie setzt sich aus unterschiedlichen Individuen und Akteuren zusammen, hat spezifische Voraussetzungen und Herausforderungen zu bewältigen. Schulen unterscheiden sich in ihrer Schulform, durch die Menschen, die dort zusammenwirken, durch das soziale Umfeld, durch ihre Schüler und deren Elternhäuser samt deren kulturellen und nationalen Herkünfte. Vor allem unterscheiden sie sich in ihrer spezifischen Schulkultur, die sich etabliert hat. Entsprechend muss jede Schule ihr eigenes Ethos finden, die für sie passende pädagogische Orientierung entwickeln und diese zu einem Leitbild und Schulprogramm bündeln. Erst darüber kann das gemeinsame Verständnis in Bezug auf die Zielsetzungen und die Richtschnur für das alltägliche Handeln entstehen. Ist erstmal diese Basis gelegt, sind die Stärken (Siehe auch: Reiseführer, Stärken und Träume: Stärken) und Schwächen bekannt und sind die Perspektiven entwickelt, dann kann Neues ausprobiert werden. Dann kann die Schule in ihren individuellen Entwicklungsprozess gehen und sich als „lernende Organisation“ entfalten (siehe auch: Reiseführer, Weiterlernen). Solch ein Prozess braucht Struktur, Zeit und ein Klima der Zuversicht. Er ist auf die Eigeninitiative und Motivation aller Beteiligten angewiesen. Eine nachhaltige und vitale Erneuerung kann nicht „von oben“ angeordnet oder beschlossen werden. Sie erfordert den Mut, neue Wege zu gehen. Die beteiligten Menschen müssen sich trauen, sich als Lernende zu begreifen, Bewährtes zu hinterfragen und sich für Ungewohntes zu öffnen. Wichtig ist es, Strukturen zu schaffen, die alle mit einbezieht: Alle müssen ihre Erwartungen und Vorstellungen, aber auch ihre Unsicherheiten anbringen können. Nur wenn sich alle lebendig miteinander auseinandersetzen, können sie ein neues Bild von Schule entwickeln und sich der damit verbundenen Veränderungsprozesse bewusst werden. Eine Schule, die sich in die Transformation begibt, sollte sich als ein lebendiges und lernendes System begreifen. Hier beginnt bereits die Kultur der Potenzialentfaltung! Jeder einzelne Beteiligte hat besondere Fähigkeiten, Interessen oder Leidenschaften Wenn sich diese Potenziale entfalten und zusammenwirken können, haben alle die Chance, voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu bereichern. (Siehe auch: Reiseführer, Gemeinschaft: Rollen) Veränderung geschieht nicht per Anweisung. Damit der Perspektivwechsel von der Wissensvermittlung hin zur Potentialentfaltung gelingen kann, müssen alle Akteure zu Lernenden werden, nicht nur die Schülerinnen und Schüler. Dieser Prozess mag an manchen Stellen anstrengend sein. Wenn es jedoch gelingt, eine neue Lernkultur zu etablieren, dann werden sich Raum und Möglichkeiten für eine neue Qualität des Miteinanders und für neue Gestaltungsperspektiven eröffnen. Veränderungsprozesse sind komplex und lassen sich nicht einfach aus den bestehenden Strukturen heraus angehen. Daher braucht jede Schule Begleitung und Inspirationen. Anregungen und Struktur für die Prozessgestaltung finden sich im Reiseführer

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1.2. Organisation der Zusammenarbeit Die Umsetzung des neuen Lernens braucht andere Organisations- und Arbeitsstrukturen und eine neue Form der Zusammenarbeit aller Mitwirkenden. Damit alle als Team zusammen wachsen können, sollten sie gemeinsam an Fortbildung teilnehmen, es sollten alle an der Gestaltung der Schulentwicklung teilnehmen und eine wertschätzende Feedback-Kultur etabliert werden. Für die Motivation, die Fähigkeiten und die Ideen aller Mitwirkenden muss Raum für Gestaltung geschaffen werden – z.B. durch ein demokratisches Management: Wenn Schulleitungen verschiedene organisatorische Verantwortungsbereiche an Kollegen deligieren, lassen sich traditionelle Organisationstrukturen auflösen. Die Aufgaben sollten entsprechend der Stärken bzw. Leidenschaften der Kollegen verteilt werden. So kann einer die Organisation der Oberstufe übernehmen, eine andere die Lernbüros, ein weiterer managt Schulprojekte etc. Dafür braucht es Raum für die Ideen und Initiativen der Pädagogen, der Schüler, der Eltern, des Hausmeisters, der Sekretärin und allen anderen, die zur Schulgemeinschaft gehören. Wenn es neue Organisationsstrukturen gibt, wird eine Zusammenarbeit in Bereichen möglich, die zuvor in der Regel von Einzelnen bewältigt wurden. So können pädagogische Teams Lernmaterialien erarbeiten, die dann von allen genutzt werden können. Teams können Projekte auf eine Weise planen und dokumentieren, dass diese im Anschluss weiterverwendet werden können. Sie können gemeinsam unterrichten und sich darüber abstimmen, wie sie einzelne Schüler unterstützen können und vieles mehr. Auch hier muss es möglich sein, ohne Angst ausprobieren zu können. Ideen und Möglichkeiten sollten Raum haben, getestet werden, unter Umständen verworfen oder aber auch neu gedacht werden können. Die gemeinsame Gestaltung der Schulentwicklung erfordert eine regelmässige Selbstevaluation und ein „aktives Klima der Zuversicht“, wie es der Erziehungswissenschaftler Peter Fauser treffend beschreibt. Siehe auch: Arbeitsstrukturen, Rolle der Pädagogen, Rolle der Eltern

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2. Möglichkeiten, Beispiele und Links 2.1. Leitprinzipien der connected principals Für die Schulentwicklung hin zu einer Kultur der Potenzialentfaltung ist es hilfreich Leitprinzipien zu entwickeln, an denen sich ein Team immer wieder ausrichten kann. Auf der Website von Connected Principals (http://connectedprincipals.com) – einer internationalen Kommunikationsplattform zum Erfahrungsaustausch unter Pädagogen – stehen folgende Leitprinzipien exemplarisch für die Etablierung einer Perspektive der Potenzialentfaltung. 1. Die Schülerinnen und Schüler sind die wichtigste Ressource unserer Schule. Priorität all unserer Entscheidungen ist es, ihren Erfordernissen gerecht zu werden. Alle anderen Entscheidungsprozesse ordnen sich diesem Prinzip unter. 2. Eine supportive Lernumgebung basiert auf stabilen Beziehungen. Die wichtigste Komponente hierfür ist Vertrauen; dies beinhaltet sowohl Vertrauen zu schenken, als auch Vertrauen anzunehmen. 3. Es ist unbedingt erforderlich, dass wir die Talente, Beiträge und Einmaligkeit eines jeden Einzelnen in unserer Gemeinschaft anerkennen und wertschätzen. Dies betrifft Schülerinnen und Schüler, das Schulteam und die Eltern. 4. Zusammen können wir mehr erreichen als jeder für sich alleine. Daher schaffen wir Strukturen, in der jeder aus dem Schulteam Verantwortungsbereiche übernehmen kann. Für uns Schulleiter ist es wichtig, auf die Stärken unserer Teams zu bauen. Wir müssen dafür sorgen, dass wir als Gemeinschaft kooperieren, um unsere Lernkultur kontinuierlich weiterzuentwickeln. 5. Alle ErzieherInnen und LehrerInnen sollten sich als lebenslange Lernende begreifen. Nur durch kontinuierliche Reflexion, respektvolle Kommunikation und Kollaboration können wir sicherstellen, dass wir nachhaltig den Erfordernissen unserer Schüler gerecht werden. Wir sollten aufmerksam gegenüber den vielfältigen Erscheinungsformen sein, in denen sich Veränderungen unserer Welt zeigen. Nur so können wir gewährleisten, dass es uns gelingt, im Dialog mit neuen Herausforderungen zu sein, ohne dabei unsere Kernprinzipien aufzugeben. 6. Allen Mitgliedern unserer Schul-Gemeinschaft sollte die Gelegenheit gegeben werden, Führungsaufgaben zu übernehmen. Das gilt sowohl für Schülerinnen und Schüler, Pädagogen und Pädagoginnen, als auch für Eltern. 7. Die Eltern sind unsere Partner bei der Bildung und Erziehung unserer Schülerinnen und Schüler. Wir müssen deshalb sicherstellen, dass ihre Stimme gehört wird und dass sie Gelegenheiten bekommen, das bestmögliche Lernumfeld für unsere Schüler mitzugestalten. 8. Kritisches Denken und vertiefende Lernerfahrungen (deep learning opportunities) sind für unsere Schüler wichtig, um wirksame Akteure des 21. Jahrhunderts zu werden. Wir müssen die Leidenschaften unserer Schüler kennen, um darauf aufbauende Lerngelegenheiten für sie zu schaffen. Schüler sollten in der Lage sein, zu denken, sich in Wort und Schrift auszudrücken und kreativ zu sein, da wir sie auf Herausforderungen vorbereiten, die gegenwärtig noch nicht absehbar sind. Wir müssen gleichzeitig für professionelle Weiterbildungssmöglichkeiten für unsere Schulteams sorgen, damit die Pädagoginnen und Pädagogen auch mit den Schülern lernen und ihr Wissen und ihre Fähigkeiten auf eine profunde, zielgerichtete und sinnvolle Weise kontinuierlich weiterentwickeln können. 9. Die neuen Technologien sollten genutzt werden, um auf die Interessen und Bedürfnisse der Schüler zu antworten und um ihnen die Möglichkeit zu geben, sich in Netzwerken bewegen zu können und von anderen zu lernen. Es ist Teil unserer Aufgabe sicherzustellen, dass die Schüler sich zu wirkungsvollen Akteuren des 21. Jahrhunderts mit einer umfassenden Weltsicht entwickeln. Dafür müssen wir die Welt in unser Lehren, Lernen und Denken einbeziehen. Als Pädagogen sollten wir die Möglichkeiten nutzen, uns über social media mit anderen Pädagogen überall in der Welt auszutauschen, um von ihren verschiedenartigen Perspektiven und Erfahrungen zu lernen. Umso mehr wir uns vernetzen, desto mehr können wir lernen. 10. Für uns sind die Ergebnisse unserer Arbeit wichtig. Unser Ziel ist es, dass Schülerinnen und Schülern ein umfassendes Verständnis und Kompetenzen entwickeln können, um handlungsfähig zu sein. Wir versuchen, unsere Ergebnisse in angemessenr Form zu evaluieren – nicht um Druck aufzubauen, sondern um das ständige Lernen und Wachsen unserer Organisation zu ermöglichen. Die ständige Reflexion unseres Lernweges macht es möglich, dass wir uns weiterentwickeln. 11. Als Schulleiter müssen wir transparent, offen und aufrichtig sein. Diese Prinzipien sollten nicht nur in geschriebener Form in diesem Forum bestehen, sondern vor allem kontinuierlich in unserer Schul-Gemeinschaft gelebt und verkörpert werden. Quelle (englisch): http://connectedprincipals.com/guiding-principles

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2.2 Woran Schulen denken sollten Der Erziehungswissenschaftler Peter Fauser beschreibt in seinem Artikel: „Woran Schulen denken sollten, wenn sie sich auf den Weg machen” 10 Fallen, die es zu berücksichtigen gilt, damit wir nicht in alte Muster zurückfallen. Verfügbar unter: www.uibk.ac.at 2.3 Interessante Links Beispiel einer Grundsatzentwicklung: Kapitel 6 “Rolle der Pädagogen” als PDF-Datei herunterladen.” target=”_blank”>Grundsätze der Max Brauer Schule Hamburg Leitbild der Georg-Christoph-Lichtenberg Gesamtschule, Göttingen Standards für Schule als lernende Organisation bietet die Website BLICK ÜBER DEN ZAUN. Schule als lernende Institution auf der Website der Schule Kleine Kielstrasse Dortmund Hinweis: Sie können das gesamte Kapitel 8 “Schule als lernende Organisation” als PDF herunterladen.

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