2. Lernen zu handeln

Kapitel 2 als PDF-Download Kinder lernen nicht, um zu lernen oder um Wissen anzuhäufen. Sie lernen, um ihr Leben, ihre Welt, unsere Gesellschaft mitgestalten zu können. Lernen ist Erfahrung – und Erlerntes in die Tat umzusetzen, braucht Erfahrung. Kinder wachsen, indem sie die Realität und das Wirken des eigenen Handelns erleben können. Prof. Dr. Faltin “Lernen zu handeln” für Schule im Aufbruch from Schule im Aufbruch on Vimeo. Videostatement: Günter Faltin, Hochschullehrer und Unternehmensgründer
Wenn unsere Kinder wirklich fürs Leben lernen sollen, dann müssen wir das Leben in die Schule holen. Und Schule muss rausgehen ins echte Leben. Dann stellt das Leben die Fragen. Margret Rasfeld

Inhalt:

1. Lernen zu handeln – Vom Als-ob-lernen zur Wirksamkeit in realen Kontexten 2. Möglichkeiten und Beispiele 2.1 Projektbasiertes Lernen – Authentische Begegnungen mit der realen Welt 2.2 Lernen durch Engagement – Verantwortung übernehmen 2.3 Lernen durch Herausforderung – Selbstwirksamkeit erfahren 2.4 Lernen durch Gestalten – Kreative Problemlösung   1. Lernen zu handeln – Vom Als-ob-lernen zur Wirksamkeit in realen Kontexten Handeln lässt sich nicht in der Theorie erlernen, sondern im praktischen Tun. Eine Lernkultur, in der sich Potenziale entfalten können sollen, braucht reale Bezüge. Kinder und Jugendliche begreifen die Welt, indem sie sich in ihr erproben und das abstrakte Wissen, das ihnen in der Schule begegnet, in Beziehung setzen können. Die Lebenswirklichkeit ist ein Lernstoff der sie überall umgibt. Um sich selbst zu erfahren und eine positive Haltung der Welt gegenüber zu entwickeln, brauchen Kinder den Raum, in dem sie selbst tätig werden können, Verantwortung übertragen bekommen, Selbstwirksamkeit erfahren und Gestaltungskraft entwickeln können. 2. Möglichkeiten und Beispiele
„Interdisziplinäre Projektarbeit wird in jedem Curriculum gefordert. Autonom handeln und erfolgreich in heterogenen Gruppen agieren können, sind zwei der drei zentralen Kompetenzen, die von der OECD zu Leitlinien ihrer Bildungsstrategie erklärt wurden.“ Margret Rasfeld

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2.1 Projektbasiertes Lernen – Authentische Begegnungen mit der realen Welt Projekte ermöglichen authentische Begegnungen mit der realen Welt. Sie bringen Schülerinnen und Schüler in Kontakt mit Experten und öffnen die Schule nach außen. Sie ermöglichen es Lehrern über die Fachgrenzen hinweg Themen zu behandeln und interdisziplinäre Lernarrangements zu entwickeln. In Projekten können Lehrer, über die Fachgrenzen hinaus Themen behandeln und interdisziplinäre Lernarrangements entwickeln. Das Lernen in Projekten schafft vielfältige Gelegenheitsräume, in denen die Schüler ihre persönlichen Interessen und Leidenschaften verfolgen, eigene Fragestellungen entwickeln, Forschungswege entwerfen und zusammenarbeiten können. Im Projekt können sie ihre Lernprozesse selbst steuern und mit ihren Fragen experimentieren. Die Ergebnisse sind offen und entstehen im Prozess. Jeder kann seinen Leidenschaften entsprechend seinen persönlichen Zugang zu einem Thema finden, da verschiedene Herangehensweisen an ein Thema möglich sind. Das Lernen in Projekten ermöglicht den Perspektivwechsel vom Ich-Wettbewerb zum Wir. Die Schüler machen die Erfahrung, gemeinsam verschiedene Aspekte eines Themas erarbeiten zu können und erleben die Wirksamkeit ihrer Arbeit. Dies stärkt ihr Vertrauen in ihre persönlichen Fähigkeiten und in die Zusammenarbeit mit ihren Mitschülern. Projektarbeit ermöglicht ihnen die Erfahrung, gemeinsam über sich hinauszuwachsen. Im 45-Minuten-Takt lassen sich Projekte nicht realisieren. An der Evangelischen Schule Berlin-Zentrum hat jede Klasse einen Wochentag mit fünf Stunden Arbeitszeit für ein Projekt zur Verfügung. Dieses erstreckt sich jeweils über mehrere Wochen. Die Projektarbeitszeit lässt viel Gestaltungsspielraum für die Lehrer: Es ist möglich mit außerschulischen Experten, an anderen Lernorten oder auch klassenübergreifend zu arbeiten. Die Projektthemen sind immer fächerübergreifend angelegt und verbinden Inhalte und Anforderungen der Rahmenlehrpläne. Wichtig im Projekt ist immer der Prozess – die Ergebnisse sind offen. Die Schülerinnen und Schüler bearbeiten das jeweilige Thema aus unterschiedlichsten Perspektiven. Sie verfolgen ihre eigene Fragen und lernen unterschiedliche Zugänge, Methoden und Präsentationsformen kennen. Sie entwickeln ein eigenes Forschungsdesign, um ihre Fragen anzugehen und entscheiden selbsständig, in welcher Form sie ihre Projektergebnisse präsentieren möchten. Ihre persönlichen Lernschritte reflektieren sie in einem Projektportfolio. Der Fokus im Projekt liegt auf der Teamarbeit, auch die Ergebnisse werden jeweils von einer Gruppe verantwortet. Am Ende eines jeden Projektes steht eine Präsentation, zu der auch Eltern und andere Interessenten eingeladen sind. In Kürze • Projektlernen ist selbstgesteuert, personalisiert und kollaborativ. • Im Projekt können Schüler eigene Fragen verfolgen und erforschen. Sie werden zu aktiven Gestaltern ihres eigenen Lernweges. • Projekte sind prozessorientiert, die Ergebnisse sind offen. • Projekte ermöglichen verschiedene Perspektiven auf ein Thema. • Projekte sind teamorientiert, sie ermöglichen peer learning. • Projekte öffnen die Schule nach außen und beziehen Akteure und Experten ein. • Projekte ermöglichen klassen- und fächerübergreifende Zusammenarbeit. In der Projektarbeit lernen Schüler: • ein Thema zu fokussieren, Entscheidungen zu treffen, Ziele zu formulieren. • ein Forschungsdesign zu entwickeln und dieses zu verfolgen. • mit der zur Verfügung stehenden Zeit umzugehen. • die eigenen Lernwege zu dokumentieren. • sich innerhalb einer Gruppe zu verständigen, Tätigkeiten aufeinander abzustimmen und die Ergebnisse gemeinsam zu verantworten. • die Projektergebnisse auszuwerten und zu präsentieren. Siehe auch: Lernumgebung, Lernen Wissen zu erwerben, Lernen mit digitalen Medien Beispiele: Projekt Familie esbz 2010, Klasse 7- 9 Bei einem Projekt mit dem Thema „Familie“ konnten Schülerinnen und Schüler selbst entscheiden, wie sie mit dem Thema umgehen wollten. Eine Gruppe untersuchte, welche Bedeutung, Funktion und Wertevorstellungen Familie in anderen Kulturen hat und verglich diese mit unserem kulturellen Verständnis von Familie. Die Ergebnisse wurden in Form eines Vortrags mit Bildern präsentiert. Ein Mädchen, deren Mutter aus Vietnam und deren Vater aus der ehemaligen DDR stammt, interviewte ihre Eltern über deren Kindheitserinnerungen zu ihrem Familienalltag. Sie stellte diese Erinnerungen in Form eines literarischen Textes einander gegenüber und trug diesen während der Projektpräsentation vor. Ein anderes Mädchen erforschte, wie sich das Erlernen von Musikinstrumenten auf die Harmonie des Familienlebens auswirkt. Sie drehte einen Film, in dem sie Kinder beim Üben ihrer Instrumente beobachtete. Ergänzend interviewte sie die Kinder und deren Familien zu den Konflikten, die mit dem Instrumentenüben verbunden sind. Zwei weitere Jungs befassten sich mit unterschiedlichen Familienmodellen der Gegenwart. Sie vertieften sich ausführlich in die Alltagssorgen von alleinerziehenden Müttern und reflektierten diese in Form eines Dialogs. Auf diese Weise entstand eine Vielfalt von Perspektiven, die das Projektthema in unterschiedlichen Facetten beleuchteten. Die Schülerinnen und Schüler gestalten ihr Lernsetting, indem sich ihr Forschungsdesign selbst erarbeiteten und ihre Ergebnisse mit den anderen teilten. Sie erlebten den Wissenserwerb als selbstverantwortlichen Prozess und ihre Projektergebnisse als wichtiges Element einer gemeinsamen Reflektion des Themas.   Projekt Lernlandschaften Schülerinnen und Schüler der Klassen 7-9 an der Evangelischen Schule Berlin Zentrum entwarfen eine Lernumgebung, in der sie einerseits gut arbeiten können und die sie gleichzeitig als Lebensraum empfinden, in dem sie sich wohl fühlen. Im Projektverlauf definierten sie die ihnen wichtigen Fragestellungen, besuchten Experten, sammelten Inspirationen, entwickelten und diskutierten Ideen, erarbeiteten Entwürfe und Prototypen und bauten schließlich entsprechendes Mobiliar, das nun von ihnen im Schulalltag genutzt wird. Die Filmdokumenation dieses Projektes findet sich unter: Lernlandschaft Web – iPhone from Schule im Aufbruch on Vimeo.   Schülerfirmen an der Peter Lenné Gesamtschule, Potsdam Die Joseph Peter Lenné Gesamtschule in Potsdam befindet sich in einem renovierten Plattenbau mit lichtdurchfluteten Gängen. Es ist Pause, Türen stehen offen. Jugendliche halten sich in Durchgängen auf, in denen Sitzgelegenheiten und Tische zum Aufhalten und Reden einladen. Irgendetwas ist ungewöhnlich, es braucht etwas Aufmerksamkeit um zu realisieren, dass die entspannte und lebendige Atmosphäre auch mit kleinen Lautsprechern zu tun hat, die überall im Schulgebäude verteilt unter den Decken hängen. Die Musik, mit denen sie die Räume füllen, kommt aus einem kleinen Raum im Erdgeschoss, der als Tonstudio eingerichtet ist. Hier sitzen zwei Jugendliche hinter Monitoren. Sie sind verantwortlich für das Programm des Schulradios, das in den Pausen auf Sendung ist. Das Schulradio ist ein Produkt der Ton und Film GmbH, einer der drei Schülerfirmen an der Schule. Diese umfasst jedoch noch weitere Geschäftsfelder, ein Eventservice und ein Schnittservice komplettieren das Programm. Der Eventservice bietet die technische Ausstattung von Veranstaltungen an. Der Schnittservice offeriert die Digitalisierung von Bild und Ton veralteter Trägermedien sowie Schnitt- und Layoutdienstleistungen. Die Schüler führen ihre Firmen weitgehend selbstorganisiert. Sie erhalten Unterstützung von den verantwortlichen Pädagogen und regelmäßige Fortbildungen von Business- und Technikexperten. Auffällig sind das Selbstbewusstsein und die Begeisterung, mit der die Jugendlichen von ihren Schülerfirmen berichten. „Die Arbeit in einer Schülerfirma bedeutet nicht nur einen intellektuellen Zuwachs für die Schülerinnen und Schüler. Sie ist mindestens ebenso wirksam auf der Ebene der Kommunikationsfähigkeit und der Persönlichkeitsbildung“, sagt Thomas Jandt, Lehrer an der Joseph Peter Lenné Gesamtschule und Mitinitiator der Schülerfirmen. Sie erleben die direkte Wirkung ihres Tuns und ernten Wertschätzung für ihre Arbeit. Und auch die Schule kann etwas lernen: „ Als Schule lernen wir, dass Mädchen und Jungs, denen man vertraut und denen man Verantwortung übergibt, in intellektuellen Bereichen wachsen, die wir als Lehrer vielleicht gar nicht gesehen hätten.“ Ein Videoportrait der Schülerfirmen an der Joseph Peter Lenné Gesamtschule Potsdam finden Sie hier: Die Peter Joseph Lenné Schule from Schule im Aufbruch on Vimeo. Unterstützung bei der Umsetzung von Schülerfirmen bietet in Brandenburg die Servicestelle Schülerfirmen unter: http://kobranet.de/kobranet/index.php?uid=788 Eine Explorationsstudie zu nachhaltigen Schülerfirmen in Deutschland finden sie unter: http://dskl.edu.my/specialandspicy/Links_files/Studie.pdf   Blue Economy im Klassenzimmer Im Rahmen der Kampagne Blue Economy hat eine Klasse der Evangelischen Schule Berlin Zentrum im Naturwissenschaftsunterricht ein so genanntes energieautarkes Klassenzimmer entwickelt. Hierbei ging es darum, dass Schüler ökologische Fragestellungen mithilfe innovativer Technologien und innovativer Herangehensweisen lösen sollten. Ziel war es, Fachunterricht in einen konkreten Bezugsrahmen zu setzen und mit der realen Lebenswelt zu verknüpfen: Wissenserwerb sollte sowohl auf einer theoretischen als auch auf einer praktischen Ebene stattfinden. Doch wie kann dies in der Umsetzung aussehen? Hierzu wurde der Prozess in zwei Phasen eingeteilt: In einer Theoriephase bearbeiteten die Schüler fächerübergreifende Lerninhalte. In der Praxisphase wurden die Pläne umgesetzt – ganz nach dem Prinzip „learning by doing“. Hierbei wurden die Schüler von einem interdisziplinären Team von Fachleuten und Lehrern begleitet. In diesem konkreten Projekt stellten sich Schüler und Pädagogen der Herausforderung, wie man ein Klassenzimmer in einen energieunabhängigen und energiefreundlichen Raum umgestalten und dabei gleichzeitig fachliches Wissen und soziale Kompetenzen erwerben und nachhaltiges Handeln in einer globalisierten Welt bewirken kann. Das Anliegen des Projektes war es, Schüler zu ermutigen, aktive Gestalter ihrer Umwelt zu werden. Für weitere Information und einen kleinen Film, siehe die Website von „blueeconomy“ Projekt Schulhofgestaltung Viele Schulen haben die Gestaltung eines Schulgartens oder Schulhofs in ihr pädagogisches Konzept aufgenommen oder arbeiten mit Wildnispädagogen zusammen. Hier lernen und erfahren Schüler unmittelbar etwas über Gartenbau und Landwirtschaft, Natur und Umwelt in der Praxis. Ein Beispiel ist das Projekt yOURway – Die jungen Macher. Ein Projekt der Sinn-Stiftung in Kooperation mit der Kukuk GmbH.
„Bei der Gestaltung ihres Schulhofs erleben die Kinder, wie man Unglaubliches leisten kann. Sie wachsen über sich hinaus – jeder in seiner Weise und im gemeinschaftlichen Verbund, durch die verbindende Aufgabe und Herausforderung. Der Prozess dauert mehrere Monate. SchülerInnen sammeln Ideen, bauen Modelle, planen Sponsoringtage und setzen schließlich mit möglichst allen Beteiligten der Schule – auch Eltern – in einer Wochenbaustelle das unmöglich Erscheinende in Realität um. Ein Wandel wird erfahrbar. Und zugleich wird erlebbar, was es dazu braucht: Gemeinsame Ziele, Mut, Durchhaltevermögen, Disziplin, Begeisterung, Teamarbeit und erfahrene Begleiter, die zugleich Halt und Freiraum bieten.“ Christian Rauschenfels, Sinn-Stiftung
yOUR way – Die Jungen Macher. Ein Potenzialentfaltungsproekt der Sinn-Stiftung in Zusammenarbeit mit der KuKuk GmbH – Kunst Kultur Konzeption http://www.sinn-stiftung.eu http://www.zumkukuk.de Links: Informationen und Hilfestellungen für die Umsetzung von Projektarbeit an Schulen werden bei Schola 21, einem Projekt der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung angeboten: http://www.schola-21.de/programm/projektlernen.aspx Englischprachige Websites zu Projektbased Learning (PBL) finden sich unter: http://www.bie.org/videos/video/project_based_learning_explained http://www.bie.org http://www.edutopia.org/project-learning-introduction

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2.2 Lernen durch Engagement – Verantwortung übernehmen Es bedarf eines ganzen Dorfes, um Kinder zu erziehen – besagt ein afrikanisches Sprichwort: Kinder lernen in den Gemeinschaften, die sie umgeben. Sie wachsen in diese Gemeinschaften hinein und können sich hier auf unterschiedlichste Weise erproben. Kinder wollen sich beteiligen und an echten Aufgaben wachsen. Sie möchten dazugehören und Verantwortung erfahren, sie möchten ihre Welt mitgestalten können und eine Haltung dazu entwickeln. Lernen durch Engagement – oder „Service Learning“ – ist ein Lernsetting, das Schulen in die Kommunen hinein öffnet. An den amerikanischen Schulen und Universitäten wird „Service Learning“ bereits seit langer Zeit erfolgreich praktiziert. Lernen durch Engagement verknüpft fachliches Lernen mit gesellschaftlicher Beteiligung. Die Schülerinnen und Schüler setzen sich für das Gemeinwohl ein. Sie tun etwas für ihre Mitmenschen oder die Gemeinde. Die Projekte finden dabei nicht unabhängig von der Schule statt. Sie sind vielmehr eng verbunden mit den fachlichen und theoretischen Inhalten, mit denen sich die Schüler zeitgleich in der Schule auseinandersetzen. Das Engagement wird in der Schule geplant, reflektiert und mit den Lernstoffen verwoben. Auf diese Weise bereichert und strukturiert die Theorie aus der Schule die praktischen Erfahrungen im Projekt. Andersherum bekommt die Theorie einen Realitätsbezug und gewinnt dabei an Relevanz, Handlungsbezug und Verständnistiefe. Definition Service Learning - Die Projekte reagieren auf einen echten Bedarf in Schule und Gemeinde. - Die Projekte sind mit curricularen Inhalten verknüpft. - Im Unterricht werden die Erfahrungen regelmäßig reflektiert. - Die im Service-Projekt erworbenen Kompetenzen werden zertifiziert. - Die Schüler/innen erhalten für ihr Engagement öffentliche Anerkennung. Quelle: Sliwka, Anne (2008): Bürgerbildung. Demokratie beginnt in der Schule. Weinheim. Beispiele zu Lernen durch Engagement: Netzwerk Service Learning Auf der Website des Netzwerks Service Learning lassen sich Beispiele und Anregungen für die Umsetzung für Service Learning an Schulen finden: SchülerInnen engagieren sich in einem Alten- und Pflegeheim und profitieren beim Umgang mit Alzheimer- oder Demenz-Patienten von ihrem Wissen über Ursachen, Symptome und Verlauf der Krankheiten, das sie parallel zu ihrem Engagement im Biologieunterricht erwerben. Zugleich wird dieses Lernen im Biologieunterricht durch die Einbindung und Reflexion der realen Erfahrungen mit den Betroffenen bereichert. SchülerInnen erarbeiten im Physikunterricht Experimente und bereiten diese so auf, dass sie diese im örtlichen Kindergarten mit den Kindern durchführen und ihnen erklären können. Dadurch setzen sich die SchülerInnen im Unterricht intensiv mit naturwissenschaftlichen Phänomenen auseinander und unterstützen gleichzeitig die Erzieherinnen, zu deren Aufgabe nach den neuen Bildungsplänen auch die naturwissenschaftliche Bildung im Kindergarten gehört. Quelle: Webseite Service Learning Die Verankerung von „Lernen durch Engagement“ im Curriculum der esbz Das „Projekt Verantwortung“ an der Evangelischen Schule Berlin-Zentrum, Foto: Veit Mette Verantwortung und zivilgesellschaftliches Engagement zu übernehmen gehört zu den zentralen Elementen der Lernkultur an der esbz. Im Projekt Verantwortung, das als zweistündiges Schulfach im Curriculum verankert ist, übernehmen alle Siebt- und Achtklässler eine Aufgabe im Gemeinwesen. Bis zu den Herbstferien bereiten sich die Siebtklässler intensiv auf das Projekt vor. „Wir erarbeiten gemeinsam: Was ist Verantwortung? Wo habe ich schon Verantwortung übernommen? Welche Stärken und Schwächen habe ich, was kann ich gut?“, erklärt Projektkoordinatorin Ariane Konetzka. Zusätzlich erkunden die Kids als Gemeindedetektive ihr Umfeld, erproben sich im Vorstellungstraining, überlegen wie sie ihre Erfahrungen dokumentieren können. Manche erzählen schon beim Aufnahmegespräch, wo sie sich engagieren wollen, andere brauchen noch Anregungen. Diese bekommen sie auf einer Börse, bei der Mitschüler, die schon ein Jahr Verantwortung hinter sich haben, ihre Projekte vorstellen, sowie außerschulische Kooperationspartner wie Senioreneinrichtungen, Naturschutzverbände, die Johanniter-Jugend, Kirchengemeinden, Bibliotheken, Vereine, die ihre Arbeit und Engagementmöglichkeiten präsentieren. Ihre Aufgabe suchen sich die Kinder selbst. Die Schule stellt Unterrichtszeit, Lehrerwochenstunden zur Betreuung und zur Fortbildung, eventuell benötigte Räume und Materialien zur Verfügung. „Beim Service Learning, also Lernen durch Engagement, merken die Kinder: Ich kann etwas bewegen und verändern, mein Wirken, meine Existenz sind wichtig“, meint unsere pädagogische Leiterin Caroline Treier. „Es geht darum, dass die Kids etwas machen, was sie machen wollen“, unterstreicht eine Schülermutter, die die Kinder bei ihrer Suche beratend unterstützt. Allerdings könne es passieren, dass ein Schüler im Laufe des Projektes merkt, dass er kaum oder keine Verantwortung übernehmen kann, weil es von den Strukturen her nicht funktioniert, sagt die Koordinatorin des Projekts Ariane Konetzka. Während des Schuljahres wird der ‚Unterricht im Leben‘ in der Klasse daher regelmäßig reflektiert. Das ist auch deshalb wichtig, weil die Jugendlichen durch die Kombination von Erleben und Reflektieren die Erfahrungen bewusst verarbeiten und diese so vom einzelnen Erleben auf eine höhere Ebene der allgemeinen Erkenntnis gehoben werden können. Reflexion erweitert das Handlungsspektrum. Einmal im Halbjahr besuchen die Tutoren die Jugendlichen im Projekt. Dabei wechselt die Rolle: Die Lehrer sind die „Neulinge“ und die Schüler zeigen und erklären, was sie machen. Und wie bei der Schulversammlung auch wird auf diese Weise die Klassensituation aufgebrochen, und es entsteht ein neues Lernformat als bereichernde Erfahrung. Quelle: Margret Rasfeld, EduAction Siehe auch: Außerschulische Lernräume, Lernen Wissen zu erwerben, Links: Das Netzwerk Service Learning bietet Fortbildungen und Unterstützung für die Umsetzung für Service Learning an Schulen an. Es stellt eine Menge an Praxismaterial und Literatur bereit. Das Projekt „Jung bewegt“ der Bertelsmann Stiftung bietet umfangreiche Materialien zu Lernen durch Engagement für alle Alterstufen. Weitere links für Anregungen, Material, Kooperationspartner, Fortbildungen: Deutsche Gesellschaft für Demokratiepädagogik Stiftung Mitarbeit www.buergergesellschaft.de www.b-b-e.de www.forum-engagement-partizipation.de Die Diakonie entwickelt im Programm „Freiwillig engagiert sein“ für alle Schulstufen Arbeitsmaterialien.

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2.3 Lernen durch Herausforderung – Selbstwirksamkeit erfahren
Schule 2.0: „Sie bereitet auf ein gesellschaftliches und berufliches Leben vor, das wir heute noch nicht kennen, auf Technologien, die erst morgen erfunden werden, und hilft, Herausforderungen zu bewältigen, von denen wir heute noch nicht wissen, dass es sie gibt.“ Andreas Schleicher, OECD, Bildungsforscher und Pisa-Koordinator
Zukunft wird immer weniger planbar. Ein erfolgreiches Durchlaufen der Bildungssysteme führt nicht zwangsläufig in eine sichere Zukunft. Kinder, die heute zur Schule gehen, werden voraussichtlich mehrere Male in ihrem Leben mit beruflichen und gesellschaftlichen Veränderungen konfrontiert werden und sich umorientieren müssen. Wie kann man Kinder auf eine unsichere Zukunft vorbereiten? Wie können sie lernen, unbekannte Situationen zu meistern und mit Risiken umzugehen? Um mit Herausforderungen konstruktiv umgehen zu können, sind Mut, Selbstvertrauen und Zuversicht gefragt. Diese erwachsen nicht aus Pflichterfüllung, sondern nur aus Erfahrungen, die in herausfordernden und unbekannten Situationen gemacht werden. Indem Kinder und Jugendliche die Gelegenheit dazu bekommen, Visionen zu entwickeln, sich Ziele zu setzen, diese zu verfolgen und die damit verbundenen Herausforderungen zu meistern, können sie Selbstvertrauen entwickeln, Selbstwirksamkeit erfahren und Vertrauen in die eigene Gestaltungsfähigkeit gewinnen.
Kinder brauchen immer wieder Gelegenheit, etwas zu erfahren, was unter die Haut geht, was sie berührt und begeistert. Selbstvertrauen und Zuversicht sind Fähigkeiten, die in den Menschen wachsen müssen, nicht von außen, sondern von innen. Jeder Mensch muss in sich selbst Mittel suchen, in die ihn umgebende Welt aufzubrechen. Nur so kann er die Erfahrung machen, Schritt für Schritt an neuen Herausforderungen zu wachsen… . … Und wenn man nun noch jemanden findet, der diese Leistung anerkennt, würdigt und wertschätzt, kann es sein, dass man von einem resignierenden Schwarzseher und Nichtstuer zu einem begeisterten Problemerkenner und Umgestalter wird.“ Gerald Hüther
Beispiele für Lernen durch Herausforderung: Gesamtschule Winterhude, Hamburg: „Projekt Herausforderung“ Die Gesamtschule Winterhude in Hamburg hat das Projekt „Herausforderung“ seit dem Schuljahr 2006/2007 fest in ihr Curriculum aufgenommen. Drei Wochen im Jahr haben die Schülerinnen und Schüler Zeit, um unterschiedliche Herausforderungen zu meistern, die sie sich selbst aussuchen. Dies kann eine Alpenüberquerung, die Teilnahme an einem Archäologiecamp, Mitarbeit auf einem Bauernhof, ein Segeltörn, eine Radtour von Hamburg zur Zugspitze und vieles andere sein. Alle Herausforderungen haben gemein, dass die Kinder und Jugendlichen ein selbstgestecktes Ziel wählen und dieses umsetzen. Der Weg der Umsetzung braucht Durchhaltevermögen und ist mit vielen Unbekannten verbunden. „In den drei Herausforderungswochen sollen sich die SchülerInnen bewähren, ihre Grenzen erfahren, sich erproben und Leistungen erbringen, auf die sie stolz sein können. Wir hoffen, ihnen auch hiermit eine bedeutsame Möglichkeit der persönlichen Entwicklung und Stärkung, der Lebenserfahrung und -orientierung zu bieten.“ Quelle: GS Winterhude Evangelische Schule Berlin-Zentrum: Das Projekt „Eine Herausforderung meistern“ Schüler der Evangelische Schule Berlin Zentrum bei einer Wanderung in Korsika, Foto: esbz
Ich hab gemerkt, ich kann Energien verwenden, die ich gar nicht hab. Ich kam über meine Grenzen hinaus und dann noch weiter. Das war unglaublich. David, Schüler an der esbz, Klasse 10
Auch die Evangelische Schule Berlin Zentrum hat das Projekt Herausforderung in ihrem Curriculum verankert: Dafür bekommen unsere Schüler im Jahrgang 8, 9 und 10 am Anfang des Schuljahres drei Wochen Zeit, um eine Aufgabe zu meistern, die sie sich in den Wochen und Monaten vor den großen Ferien selbst gesucht und eigenständig vorbereitet haben. Jedem stehen 150 Euro zur Verfügung, davon müssen Unterkunft, Fahrtkosten und Verpflegung gezahlt werden. Drei Wochen auf dem Zeltplatz oder in einer Pension kann man sich davon natürlich nicht leisten, das heißt, die Jugendlichen müssen kreativ werden: irgendwo anklingeln, ihre Hilfe anbieten, mitarbeiten. Manche suchen sich eine Aufgabe für sich alleine – die Achtklässlerin Loukie hat zum Beispiel in drei Wochen einen 300-seitigen Roman geschrieben. Und Henriette ist auf einen Bauernhof in Südfrankreich gefahren, obwohl sie gar kein Französisch sprach, und hat dort für ihre Unterkunft und Verpflegung gearbeitet. Der Großteil der Schüler tut sich jedoch in kleinen und größeren Teams zusammen. Wer an keinem festen Ort ist, weil zum Beispiel eine Radtour oder Wanderung zur Aufgabe gehört, wird von Erwachsenen begleitet – das können Lehrer sein, Studierende, jemand aus einem freiwilligen sozialen Jahr, wir hatten auch schon ehrenamtliche Helfer aus der Wirtschaft, zum Beispiel eine Hotelmanagerin oder eine PR-Frau. „Die Begleiter gehören zur Gruppe, aber halten sich raus“, erklärt Shana auf einer Lehrerfortbildung. „Es soll ja unsere Herausforderung sein.“ In der achten Klasse fuhr Shana mit fünf anderen Mädchen mit dem Fahrrad nach Hiddensee, um Dünen abzuplaggen. Eine herausfordernde Aufgabe, die sich die Mädchen in Zusammenarbeit mit der Universität Greifswald im Vorfeld organisiert hatten. Nach einer Woche radelten sie wieder zurück. „Unterwegs haben wir uns auch mal verfahren, ich glaube, weil wir die Karte falsch herum gehalten haben. Unsere Begleiter, zwei Studentinnen, haben aber nichts gesagt. Erst als es dunkel wurde, haben wir es gemerkt, weil wir mitten in der Pampa waren und kein Haus mehr kam.“ Natürlich ist es Aufgabe der erwachsenen Begleiter, Situationen einzuschätzen und wenn nötig einzugreifen. Aber wir müssen den Jugendlichen auch vertrauen und etwas zutrauen. Nur wenn sie wirklich Verantwortung für sich und ihr Handeln übernehmen, können sie Erfahrungen von Selbstwirksamkeit machen. Zitat: Margret Rasfeld. EduAction Ein großes Ereignis ist der Herausforderungscampus auf dem alle Schüler und Schülerinnen ihre Herausforderung vorstellen. Ein Ausschnitt aus dem Film: Der große der Tag der Herausforderung der Carsten Krüger Filmproduktions GmbH: Beschreibung und weitere Materialien zu dem Projekt „Eine Herausforderung meistern“ an der esbz unter: http://www.ev-schule-zentrum.de/786.0.html Siehe auch: Außerschulische Lernräume, Lernen zu sein, Selbstbestimmtes Lernen, Jugendschule Schlänitzsee der Montessori Oberschule Potsdam Die Montessori Oberschule Potsdam hat eine Sekundarstufe aufgebaut, in der die Schüler sich in Projekten erproben und an konkreten Herausforderungen lernen können: Im Alter von 11 bis 16 Jahren verbringen sie einen großen Teil ihrer Unterrichtszeit auf einem separaten Gelände in der freien Natur – welches nach und nach durch sie selbst gestaltet wird. Sie bauen Komposttoiletten, legen Gärten an, kümmern sich um Bienenstöcke, renovieren alte Bauwägen, erproben Selbstversorgung und realisieren Theater oder Musikprojekte vor Ort. Auf diese Weise wird der Handlungsspielraum der Schüler in der schwierigen Übergangszeit zwischen Kindheit und Jugend durch konkrete Tätigkeiten erweitert. Hier können sie an konkreten Fragstellungen lernen, ihre Ideen umsetzen, Experten treffen und gemeinsam Lösungen erarbeiten. Wichtig ist, dass die Resultate ihrer Arbeit sichtbar und wirksam werden und der Ort sich nachhaltig durch ihre Gestaltung verändert. Einblick in die Montessori Oberschule Potsdam gibt das Buch: Ulrike Kegler: „In Zukunft lernen wir anders. Wenn die Schule schön wird.“ Ausführliche Informationen finden sie auf der Homepage der Schule. Ulrike Kegler über die Jugendschule Schlänitzsee für Schule im Aufbruch from Schule im Aufbruch on Vimeo.

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2.4 Lernen durch Gestalten – Kreative Problemlösung 1. Design Thinking Der Kreativitätsexperte Edward de Bono sagt, “we can analyze the past, because it exists. But we have to design the future.” Die bloße Analyse der Vergangenheit reicht nicht aus, um eine sinnvolle Zukunft zu entwerfen. Und was einst funktioniert hat, lässt sich nicht unbedingt in die Zukunft kopieren. Der Umgang mit den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts erfordert nicht nur andere Werkzeuge, sondern auch andere Fertigkeiten. Unsere Welt hat einen Grad an Komplexität erreicht, der von Einzelnen nicht mehr zu bewältigen ist. Gefragt sind heute Menschen, die teamfähig sind und die kommunizieren können, die gemeinsam nach Lösungen suchen und diese auch umsetzen können: Menschen mit Mut, Energie und Visionskraft, die an sich selbst glauben und die bereit sind, neue Wege einzuschlagen. Design Thinking ist ein Format der kreativen Problemlösung für komplexe Fragestellungen. Es greift auf das Methodenset von Designern zurück und nutzt deren Kompetenz im Umgang mit Komplexität, Unsicherheit und offenen Prozessen. Auch wenn die nächsten Schritte einer Lösung noch nicht bekannt sind, lassen sich mit Designprozessen verschiedene Lösungen generieren, analysieren und evaluieren. So nähert man sich schrittweise der Lösung eines Problems an. Dieser Lernprozess verbindet analytisches Denken mit kreativen Umsetzungen. Design Thinking hat als methodisches Verfahren das Vorgehen von Designer so beschrieben, dass es von anderen Disziplinen einfach anzuwenden ist. Design Thinking als Projektformat an Schulen Klassenräume und Schulen auf der ganzen Welt sind täglich mit Herausforderungen konfrontiert, auf die auch unsere Lehrer keine Antworten haben. Auf der einen Seite betreffen die Herausforderungen den internen Schulalltag: von Bewertungssystemen für guten Unterricht über Sichtbarmachen komplexer Entstehungszusammenhänge bis hin zur Gestaltung des täglichen Zusammenlebens. Auf der anderen Seite haben wir es mit den großen gesellschaftlichen Fragestellungen unserer Zeit zu tun, wie beispielsweise dem Klimawandel, der Armutsbekämpfung oder Demokratieprozessen. Und auf diese Fragen haben auch Experten noch keine Antworten. Design Thinking bietet als Projektformat an Schulen einen klar strukturierten Zukunftsgestaltungsprozess an, um gemeinsam mit den Schülern nach Lösungen zu suchen. Dieser Prozess unterteilt sich – wie jeder Lernprozess – in verschiedene Phasen und bietet für jede dieser Phasen einen Pool an Methoden an: von der Analyse und Beobachtungen im “Feld” bis zur Ideenentwicklung und deren Umsetzung in Prototypen. Die Herausforderungen sind real, komplex und variieren in ihrem Umfang. Wenn Schule wirklich aktiv Zukunft gestalten will, muss sie dazu bereit sein, Konventionen zu verlassen und neue Herangehensweisen, Methoden und Werkzeuge auszuprobieren. Design Thinking ist eine Möglichkeit dafür. Und der Optimismus dieser Methode ist besonders im Bildungsbereich erforderlich. Im Kreativprozess wird das Selbstverständnis vermittelt, dass jeder Mensch in unserer Gesellschaft eine Aufgabe dabei übernehmen kann, wenn es darum geht, wünschenswerte Lebenswelten zu gestalten. Vom Egosystem zum Ecosystem. Teamfähigkeit erlernen. Schon von klein auf wird es in der Schule untersagt, zusammenzuarbeiten. Wir werden in eine regelrechte Einzelkämpferkultur erzogen. Das passte möglicherweise früher: Da wurde der Wert mehr auf die Leistung des Einzelnen gelegt. Heute reicht dies nicht mehr aus. Der Schüler von morgen muss ein Teamplayer sein. Und jedes Team, auch wenn es nur wenige Mitglieder hat, ist ein sensibles Gemeinschaftsunterfangen, in dem es verschiedene Aufgaben und Tätigkeitsfelder gibt. Wenn jeder der Chef sein will, funktioniert kein Team. Ein gutes Team zu sein, bedeutet nicht, dass alle das gleiche können. Nicht jeder muss ein guter Handwerker sein, nicht jeder moderieren können oder besonders kreativ sein. So würde ein Team gar nicht funktionieren. Nur wenn jede Person seine eigenen Werkzeuge, Fähigkeiten und – und das ist möglicherweise am bedeutendsten – den eigenen Standpunkt mitbringt, dann ist es in der Lage, wirklich etwas Bedeutsames zu schaffen. Diese Teamfähigkeit wird als Metakompetenz in Projektgruppen erlernt, die eine optimale Größe von 5-7 Schülern haben. Beispiele und Links: Creative Confidence Die Agentur für Bildung Creative Confidence ist Schnittstelle zwischen Bildungseinrichtungen und Organisationen aus Wirtschaft und Gesellschaft. Sie platziert Schulen neben Akteure aus Wirtschaft und Gesellschaft – ähnlich wie in einem Think Tank. So werden gemeinsam mittels experimenteller und innovativer Methoden Lösungen auf gesellschaftliche Herausforderungen erarbeitet. Die Einblicke, die Schüler dadurch in verschiedene Lebens- und Berufswelten erhalten, sind der Grundstein für wichtige Entscheidungen, die auch ihren späteren beruflichen und privaten Lebensweg betreffen. Bei Creative Confidence werden die (lebens-)unternehmerischen Fähigkeiten der Kinder schon während der Schulzeit gefördert. Vision Camp Design Thinking während des Vision Summits 2012 in Berlin zum Thema: „Wie wollen wir lernen?“ mit Creative Confidence. Die Fellbacher Planungsagenten Jugendliche entwickeln mittels Design Thinking Lösungsvorschläge für die Verkehrsplanung ihrer Gemeinde. US-amerikanische Plattformen für Design Thinking an Schulen unter: http://dschool.stanford.edu/k12 http://designthinkingforeducators.com/ 2. Tools at School Es kann Kindern und Jugendlichen eine neue Perspektive in ihrer Weltsicht bringen, wenn Design als bewusster Gestaltungsprozess verstanden wird. Zu verstehen, dass Design nicht nur Mode ist, die Lady Gaga tragen würde, sondern alles designt, was gestaltet worden ist: angefangen beim Stuhl, der Trinkflasche bis hin zum Füller. In allem steckt ein bewusster Gestaltungsvorgang. Der Designprozess kann Schülern nahelegen, selbst Gestalter zu werden, das Augenscheinliche zu hinterfragen, zu überlegen, wie die eigenen Ideen kommuniziert werden und wie Gegenstände gemacht sind.Tools-at-schools ist ein Beispiel dafür, wie Design in schulische Curricula eingebunden werden kann, um als Brücke zwischen den sonst von einander getrennten Lerninhalten zu fungieren. Hier haben Schüler die Einrichtung ihrer Schule evaluiert und dafür Lösungen entworfen, die besser auf ihre Bedürfnisse passen. Mehr Information unter: tools-at-schools.com 3. FabLABs@School Ein FabLab ist eine kleine digitale HighTech-Werkstatt, ausgestattet mit computergesteuerten Werkzeugen, wie zum Beispiel Laser-Cutter, Fräsmaschinen, 3D-Scannern, 3D-Fräsen, -Druckern und Programmier-Tools. In einem FabLab werden Projektideen und Produkte Wirklichkeit. Die zunehmende Automatisierung lässt Zusammenhänge und Funktionsweise von Computer und Robotern im Dunkeln – in der “Black Box”. Die Metapher der “Black Box” beschreibt die Mystifizierung von automatischen Produktionsabläufen und geht mit einer zunehmenden Berührungs- und Beschäftigungsangst mit technischen Konstruktionen einher. Wenn Schüler von früh an mit Funktionsweisen von Konstruktionen komplexer Geräten vertraut sind, entwickelt sich ein Bewusstsein für die eigenen Ideen und deren technische Umsetzung. Beispiel: weltgestalten.wordpress.com/dokumentation/#1 Hinweis: Sie können das gesamte Kapitel 2 “Lernen zu handeln” als PDF herunterladen.

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