10. Rolle der Eltern

Vom Zuschauen zum Mitgestalten Kapitel 10 als PDF-Download Eltern gehören neben dem Schulteam und den Schülerinnen und Schülern zu den wichtigsten Protagonisten an den Schulen: Nur in verantwortungs- und vertrauensvoller Zusammenarbeit mit ihnen kann die Umgestaltung einer Schule in einen Ort der Potenzialentfaltung gelingen. Eltern möchten, sollen und können Schule mitgestalten. Brita Wauer “Rolle der Eltern” für Schule im Aufbruch from Schule im Aufbruch on Vimeo. Videostatement: Britta Wauer, Mutter und Schulgründerin
“Damit die Transformation einer Schule gelingen kann brauchen Eltern Vertrauen. Vertrauen in ihre Kinder, Vertrauen in die Lehrer und Vertrauen in sich selbst.” Brita Wauer, engagierte Mutter und Schulgründerin

Inhalt:

1. Rolle der Eltern. Vom Zuschauen zum Mitgestalten 2. Möglichkeiten und Beispiele 2.1 Expertentag an der Evangelischen Schule Berlin-Mitte 2.2 Elternarbeit am Beispiel der Grundschule Kleine Kielstraße, Dortmund” 2.3 Elternarbeit und Elternmagazine an den Evangelischen Schulen Berlin-Mitte und Zentrum 2.4 Das Thanksgiving-Fest an der Nelson-Mandela-Schule 3. Links 1. Rolle der Eltern. Vom Zuschauen zum Mitgestalten Eine gute Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus ist eine wesentliche Bedingung für die Qualität schulischen Arbeitens. Eltern geben heutzutage ihre Kinder immer seltener einfach nur am Schultor ab. Vielmehr suchen sie aktiv den Kontakt zur Schule ihrer Kinder und unterstützen diese auf verschiedene Weise. Schule und Eltern sind beide Lernende im Kontext des Transformationsprozesses. Denn: Die Transformation einer Schule bringt viel Unbekanntes und Ungewohntes mit sich. Wenn alle Beteiligten vertrauens- und verantwortungsvoll zusammenarbeiten, kann eine Lernkultur tiefgehend umgestaltet werden und eine fortlaufende Schulentwicklung gelingen. Die Einbeziehung der Eltern ist wichtig für den Weg in eine Kultur der Potenzialentfaltung. Wenn alle Beteiligten offen füreinander sind und sich inhaltlich austauschen, können die Prozesse nachvollzogen werden. Zudem führt es zu einem besseren gegenseitigen Verständnis und zu einer Kultur des kooperativen Miteinanders. Wenn sich alle bemühen und Commitment zeigen, kann sich eine gute und konstruktive Zusammenarbeit entwickeln. Auch bei Eltern gilt es, ein Bewusstsein für Potenzialentfaltung zu schaffen. Auch sie sind Lernende im Kontext des Transformationsprozesses einer Schule. Sie sollten kontinuierlich informiert werden und an der Auseinandersetzung über die Prozesse beteiligt werden, z.B. in Form von Vorträgen, Filmen, Workshops u.a.. Eltern sollten die Chance haben, mit neuer Lernkultur in Berührung zu kommen. Um aufzuzeigen, warum Schule sich heute verändern muss, ist es wichtig, ihnen die Bedeutung des gesellschaftlichen Wandels für die Lebens- und Arbeitswelten der Zukunft aufzuzeigen und die Konsequenzen für unsere Bildungssysteme zu erläutern. Es gilt deutlich zu machen, wie sich Lernen aus der Perspektive der Potenzialentfaltung verändert und aufzuzeigen, wie sich diese Perspektive durch die Hirn- und Lernforschung untermauern lässt. In Workshops kann eine neue Lernkultur erprobt werden. Ziel sollte sein, dass Eltern und Lehrer kooperativ zusammenarbeiten und dass Eltern die Veränderungen an ihrer Schule nachvollziehen können. Sie sollten die Chance haben, an dieser Veränderung teilzuhaben und den Wandel mitzugestalten und zu unterstützen. Wie kann das konkret im Schulalltag und in der Schulentwicklung aussehen? Zusammenarbeit kann auf bewährten aber auch auf ganz neuen Wegen stattfinden: Einbeziehung der Eltern in die Gestaltung des Schulalltags:
  • Eltern hospitieren im Unterricht (z.B. um neue Lernarrangements wie z.B. das Lernbüro kennenzulernen).
  • Sie können aktive Unterstützer bei der Projektgestaltung sein und ihre Expertisen einbringen.
  • Sie können aufgrund ihres beruflichen Backgrounds Werkstätten anbieten.
  • Sie unterstützen die Pädagogen bei der Herstellung von Arbeitsmaterialien.
  • Sie helfen bei der gemeinsamen Gestaltung von Festen und Exkursionen.
  • Sie entlasten die pädagogischen Teams bei Konferenzen oder Fortbildungen, indem sie Betreuung für die Kinder anbieten.
Für eine nachhaltige Kultur des Miteinanders braucht es regelmäßige und vertrauensbildende Elemente im Schulalltag. Diese können so aussehen:
  • Eltern werden regelmäßig zur Präsentationen von Projektergebnissen eingeladen.
  • Regelmäßiger Austausch zwischen Eltern und Lehrern über die Entwicklung jedes Kindes.
  • Am Ende eines jeden Halbjahres Ziel-und Bilanzgespräche zum Leistungsstand jedes Kindes, an dem die Pädagogen, die Eltern und das Kind teilnehmen.
  • Elternabende, an denen die Eltern neben den Klassenthemen auch über Veränderungen an der Schule informiert werden.
  • Informationsveranstaltungen für Eltern und Lehrer mit Experten zu Themen wie Lernforschung, gesellschaftlicher Wandel und Arbeitswelten der Zukunft, Medienkompetenz etc..
  • Gemeinsame Fortbildungen und Workshops für Lehrer und Eltern zu Themen, die Schule und Familien betreffen, wie z.B. wertschätzende Kommunikation, Konfliktlösung, Moderationsmethoden etc..
Einbeziehung der Eltern in die Gestaltung der Schulorganisation:
  • Elternarbeit kann ein wichtiger Teil bei der Organisation von Schule sein. Eltern können z.B. in Form von Eltern-AGs zusammenarbeiten.
  • Über die Netzwerke von Eltern können Organisationsfragen geklärt werden: Eltern können z.B. gebrauchte Computer oder gebrauchtes Mobiliar beschaffen.
  • Eltern können Kontakte zu außerschulischen Partnern herstellen oder Sponsoren für Anschaffungen gewinnen u.v.m. So öffnen Eltern Türen in andere Lebenswelten und eröffnen Schulen neue Aktionsfelder.
  • Die beruflichen Kompetenzen und Expertisen der Eltern können auch in die Gestaltung des Schulgebäudes, der Räume, des Schulhofs oder -gartens einfließen.
  • Eltern können mit Newslettern die Kommunikation zur Schulentwicklung zwischen innen und außen unterstützen.
Auch strukturell sollte sich die Zusammenarbeit von Eltern und Schule verankern:
  • Elternvertreter sind an pädagogischen Konferenzen beteiligt.
  • Elternbeirat und Schulleitung vereinbaren einen jour fixe.
  • Eltern arbeiten in den Schulgremien mit.
  • Es gibt einen gemeinsam gestalteten Newsletter, um alle Beteiligten über die Schulentwicklung zu informieren.
Eltern können wichtige Mitwirkende am Umgestaltungsprozess ihrer Schule sein. Neben ihrer praktischen und ideelen Unterstützung des Schulteams sind sie auch wichtige Akteure in der Kommunikation der Schulkultur nach außen. Sie werden zu Botschaftern eines neuen Verständnisses von Schule und können am besten andere Eltern für dieses begeistern. Sie können aber auch einen großen Einfluss nehmen, wenn es zunächst darum geht, politische Akteure für den Umbau ihrer Schule zu gewinnen. Sie können Aktionsbündnisse mit interessierten Lehrern, Schulleitern und Kommunalvertretern schließen, um ihr Interesse an der Transformation ihrer Schule durchzusetzen . Diese Chance sollten alle nutzen.

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2. Möglichkeiten und Beispiele
  1. Expertentag an der Evangelischen Schule Berlin-Mitte
  2. Elternarbeit am Beispiel der Grundschule Kleine Kielstraße, Dortmund
  3. Elternarbeit und Elternmagazine an den Evangelischen Schulen Berlin-Mitte und -Zentrum.
2.1 Expertentag an der Evangelischen Schule Berlin-Mitte Um den Pädagogen einen Tag gemeinsamer Fortbildung zu ermöglichen, haben die Eltern der Evangelischen Schule Berlin-Mitte (Grundschule) die Idee entwickelt, einen Expertentag zu organisieren und die Betreuung der Schülerinnen und Schüler zu übernehmen: In rund 20 Angeboten erhielten die Schüler Einblicke in die Arbeitswelten einiger Eltern. Sie nahmen – je nach individuellem Interesse – an einer Designwerkstatt teil, in der aus alten Textilien Stofftiere, Taschen und Kleidungsstücke entworfen wurden. Oder sie bauten in einer Architekturwerkstatt Brückenkonstruktionen aus Spaghetti . Sie übten sich in japanischer Kalligraphie und Origami oder schauten mit einem Zauberer in dessen Trickkiste. Andere besuchten Schreinerwerkstätten, Fernsehsender oder Schokoladenmanufakturen in der Stadt. Die Kinder waren vom Einblick in die Arbeitswelten der Eltern begeistert und wünschten sich weitere Expertentage.

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2.2 Elternarbeit am Beispiel der Grundschule Kleine Kielstraße, Dortmund Die Grundschule Kleine Kielstrasse befindet sich in der Dortmunder Nordstadt, einem Stadtteil, der durch einen hohen Migrantenanteil geprägt ist. 369 Kinder aus 30 verschiedenen Nationen gehen hier zur Schule. Diese Schule war die erste Preisträgerin des deutschen Schulpreises, der jährlich innovative Schule auszeichnet. Dieser Schule ist es gelungen, sich zum städtischen Umfeld zu öffnen und sich in einen lebendigen Lernort zu verwandeln, an dem Eltern und Schulteam partnerschaftlich zusammenarbeiten, in dem Kinder Geborgenheit finden und in dem sie individuell gefördert werden. Insbesondere ein Café, das von Müttern betrieben wird, und das die Elternarbeit unterstützt, hat sich nachhaltig auf die Schulkultur ausgewirkt. Auf der Homepage der Schule lässt sich dies nachvollziehen.

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2.3 Elternarbeit und Elternmagazine an den Evangelischen Schulen Berlin-Mitte und Zentrum Beide Schulen wurden von Eltern gegründet und zeichnen sich durch eine ausgeprägte Kultur der Elternarbeit aus. Schon bei Eintritt der Kinder in die Schulen verpflichten sich die Eltern zu einem jährlichen Arbeitseinsatz von 36 Stunden. Die Eltern organisieren die Elternarbeit selbständig. Elternhefte informieren über die Aktivitäten, Aufgaben und Ansprechpartner der verschieden Arbeitsgemeinschaften, in denen sich alle Eltern einbringen können, wie AG Bau, AG Computer, AG Inklusion, AG Finanzen, AG Bibliothek etc. Gleichzeitig dokumentieren diese Elternhefte die geleisteten Arbeitsstunden. Beide Schulen verstehen sich nicht als Dienstleister. Sie leben Schule als gemeinsam gestaltbaren Raum, zu dem Elternarbeit dazugehört und für dessen Qualität alle gemeinsam verantwortlich sind. www.esbm.de www.ev-schule-zentrum.de Ein wichtiges Instrument, in dem sich die Zusammenarbeit zwischen Schule und Eltern manifestiert, sind die von Eltern gestalteten Magazine bzw. Newsletter beider Schulen. Diese finden sich unter: http://www.ev-schule-zentrum.de/fileadmin/zentrum/Newsletter/Newsletter06.pdf http://www.esbm.de/uploads/media/ESBM_investment_111219.pdf

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2.4 Das Thanksgiving-Fest an der Nelson-Mandela-Schule Als die Eltern der internationalen Nelson-Mandela-Schule in Berlin nach einem Ritual suchten, um den Lehrerinnen und Lehrern ihrer Kinder jedes Jahr aufs Neue für deren Arbeit zu danken, war schnell klar: Was bietet sich für einen ganz besondere Dank besser an, als das Danksagungsfest schlechthin – Thanksgiving? Seit einigen Jahren hat sich das Thanksgiving-Fest an der Schule tatsächlich institutionalisiert. Jedes Jahr organisiert die Gesamtelternversammlung der Nelson-Mandela-Schule das Fest, lädt über das digitale Terminplanungstool Doodle Eltern der Schüler dazu ein, mitzufeiern und sich am Buffet für das Thanksgiving-Fest für die Lehrer zu beteiligen. Frau Bendiek, Mutter eines Schülers der NMS, bekommt von den Lehrern die klare Rückmeldung: Es bedeutet ihnen sehr viel, dass die Eltern ihre Arbeit wertschätzen und mit dem Fest würdigen. Doch nicht nur Wertschätzung offenbart sich in diesem Ritual: Thanksgiving gilt in den Vereinigten Staaten als wichtigstes Familienfest. Sich als Schulfamilie zu begreifen und zu feiern, macht den zusätzlichen Charme dieser Idee aus. Somit ist dieses Fest auch Ausdruck einer Beziehungskultur zwischen Schule und Elternhäusern. Zudem ist es eine zusätzliche Möglichkeit, den Austausch zwischen Eltern und Lehrern zu fördern und die Beziehungen zwischen ihnen zu festigen. Die Schule ist neben der Familie ein weiterer Ort, an dem die Kinder ein Gefühl von Gemeinschaft erleben. Um dieses Gemeinschaftsgefühl zu fördern und wachsen zu lassen, ist eine lebendige Kommunikation zwischen Lehrern und Eltern wichtig. Auch die Schüler erleben über dieses Ritual, dass ihre Eltern die Arbeit und die Mühe ihrer Lehrer würdigen und wertschätzen und wie wichtig und schön es für alle ist, dem Ausdruck zu verleihen. Und wenn Schüler, Lehrer und Eltern an der Nelson-Mandela-Schule – wie an jeder anderen Schule auch – alltäglichen Herausforderungen gegenüberstehen, so können sie auf eine gute Beziehung setzen, die das Fundament dafür ist, diese Herausforderungen gemeinsam anzugehen. Website der Nelson-Mandela Schule Berlin: http://www.sisberlin.de/

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3. Links Mögliche Standards für die Elternarbeit: www.vielfalt-lernen.de Das Institut für Pädagogik und Zukunftsforschung in Würzburg bietet auf seiner Website zur Elternarbeit umfangreiches Material an: www.elternarbeit.info Das Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung München stellt auf seiner Website zur Interkulturellen Kompetenz an Schulen die Elternarbeit als einen von vier wesentlichen Bausteinen vor, mit vielen praxisnahen Beispielen: www.kompetenz-interkulturell.de Ein internationales Beispiel für grundlegende Prinzipien der Elternarbeit sind die „National Standards for Parent/Family Involvement“: http://www.pta.org/1216.htm Hinweis: Sie können das gesamte Kapitel 10 “Rolle der Eltern” als PDF herunterladen.

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