V. Essenz

Hinweis: Sie können sich das gesamte Kapitel 5 “Essenz” als PDF herunterladen. 5.-Essenz_550-m7fpmp5asgwx6prxinj551rbvau1pwg4l17tco4ieg
Die wichtigste Fähigkeit ist die, welche alle anderen ordnet. Blaise Pascal
Phase V Essenz from Schule im Aufbruch on Vimeo. Das Wertvollste, das Wesentliche, das Wichtigste, der Grundsatz, der Standpunkt: die Essenz… Bisher hieß es immer: Lassen Sie Ihren Gedanken freien Lauf, Sie werden später noch darauf zurückkommen. Nun ist es soweit: Treffen Sie eine Entscheidung. An diese Entscheidung werden Sie sich für eine lange Zeit halten – sie ist die Basis für alle weiteren Entscheidungen.

Inhalt:

1. Die Essenz 1.1 Methode: Interessen formulieren 1.2 Methode: Kausalitätenkreis 1. Die Essenz Worum geht es? Sie suchen fünf bis sieben Grundsätze, Prinzipien, Interessen, Ziele, Elemente Ihrer Vision – wie auch immer Sie diese Essenz nennen möchten: Sie soll Ihnen als Leitschnur für die Zukunft dienen. Sie geben nun alles, was Sie bisher gefunden haben – die Stärken Ihrer Schule, Ihre Träume, alle Informationen und Inspirationen, die Sie beeindruckt und/oder berührt haben – in einen großen Trichter und unten heraus kommt … Ihre persönliche Auswahl an Edelsteinen.
Wer hohe Türme bauen will, muss lange beim Fundament verweilen. Anton Bruckner
Die nachfolgende Methode: Interessen formulieren gibt einige Tipps zur Formulierung, damit es Ihnen leichter fällt, die Essenz sprachlich einzuordnen. Falls Sie Unterstützung dabei brauchen, Ihre Gedanken zu ordnen, kann Ihnen Schritt 1: Clustern der Methode Kausalitätenkreis helfen, die Essenz zu finden. Falls Sie dagegen zu viele Essenzen destilliert haben, wird Sie Schritt 2: Kausalitäten abstimmen derselben Methode dorthin führen, klare Prioritäten zu entwickeln. Sobald Sie Ihre Essenz gefunden und beschlossen haben, gilt es, sie zu kommunizieren. Die Essenz sollte langfristig in alle Entscheidungen der Schule mit einbezogen werden. Sie benötigen hierzu also nicht nur die Unterstützung, sondern auch die Überzeugung der Entscheidungsträger. Und Sie brauchen, wenn möglich, eine breite Mehrheit an der Schule. Reden Sie also über Ihre Essenz, schreiben Sie sie auf, visualisieren Sie sie und verteilen Sie sie, überall wo Sie können und dürfen. Und: Passen Sie sie so lange im Austausch mit den Entscheidungsträgern an, bis Sie das Gefühl entwickeln, dass die Schule hinter einer längerfristigen Entwicklung in die Richtung Ihrer Essenz steht.

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1.1 Methode: Interessen formulieren Das Wort Interesse – in diesem Kontext – ist ein Kunstbegriff, der eine bestimmte Zielstellung umfasst: Ein Interesse bringt die Essenz dessen, was ganz wichtig ist, auf den Punkt. 5.0.1-Interessen-formulieren_550-m7fpmq34zay7ibqkd5xrpjisgopexljux5vaty34owDer Begriff kommt aus dem Verhandlungsprogramm „Harvard Konzept“ . In der Regel wird er mit der Geschichte von dem „Streit um die Orange“ eingeführt: Zwei Schwestern kommen nach Hause. Beide haben sich auf dem Nachhauseweg bereits auf eine Orange gefreut. Sie betreten die Küche, sehen, dass nur noch eine einzige Orange übrig ist … und beginnen zu streiten: „Ich war zuerst da“, „Ich hab sie zuerst gesehen“, „Du kriegst immer alles“, „Mama mag Dich lieber“, „Nur weil Du älter bist …“, „Nur weil Du die Kleine bist …“. Die Mutter kommt genervt aus dem Nebenzimmer. Die beiden Schwestern haben sie noch nicht einmal begrüßt, bevor der Streit losging. Sie nimmt ein Messer, teilt die Orange, gibt jeder eine Hälfte und geht wieder. Nun geht die eine Schwester mit ihrer Hälfte zur Presse, um sich einen Saft zu machen, die andere beginnt die Schale zu reiben, um einen Kuchen zu backen. Hier unterscheiden wir nun zwischen Position, Interesse und Bedürfnis. Die POSITION ist: diese Orange. Die INTERESSEN sind Kuchen backen und Saft trinken. Das BEDÜRFNIS kann hier das Grundbedürfnis nach Ernährung sein (Durst / Hunger stillen) oder vielleicht auch nach Anerkennung (für den Kuchen) oder Selbstverwirklichung (wenn Kuchenbacken ein Hobby ist). Interessen liegen in der Formulierung demnach genau zwischen Positionen (was konkret vorhanden ist) und Bedürfnissen (die abstrakter sind). Etwas von dieser Logik finden Sie auch in der Methode: Schritte zu Prinzipien aus der Phase III Gemeinschaft. Für die Formulierung von Interessen gibt es eine Checkliste: • Gibt es eine emotionale Resonanz? Diese Frage bezieht sich auf die emotionale Ebene und bedeutet, dass Sie ein Interesse nur dann gefunden haben, wenn es Ihnen wirklich, wirklich wichtig ist. Ein Interesse ist etwas, dass bei Ihnen Sehnsucht auslöst: „Genau!“, sagt Ihr Gefühl, „genau das!“ Wenn Sie also eine wunderbare Formulierung gefunden haben, diese Sie aber kalt lässt, handelt es sich nicht um ein Interesse. • Ist es positiv formuliert? Bei einem Interesse geht es nicht um das, was Sie nicht wollen, sondern immer um das, was Sie wollen. Das bedeutet nicht nur, dass Sie das Wort NICHT in Ihrer Formulierung umgehen sollten, sondern auch negierende Wortteile wie z.B. „un-“ oder „–losigkeit“. Es lohnt sich immer, positive Ziele zu haben – auch wenn es manchmal noch einen Denkaufwand benötigt, um dorthin zu kommen. • Ist es konkreter als ein Bedürfnis? Die Grundbedürfnisse wie Respekt, Anerkennung, Sicherheit, Liebe, Zuwendung, Selbstverwirklichung, Sinnhaftigkeit… sind viel zu abstrakt, um als Entscheidungshilfe hilfreich zu sein – schließlich ist es das, was jeder Mensch anstrebt. Wenn Sie Ihrer Schule durch die Essenz ein klares Profil geben möchten, müssen Sie konkreter werden. • Ist es lösungsoffen? Das ist die andere Seite der Medaille: Wenn Sie zu konkret werden, haben Sie keinen Handlungsspielraum mehr. Ein Interesse lässt aber immer mehrere Wege zu, auf denen es erreicht oder verwirklicht werden kann. Am Beispiel der Schwestern heißt das: Um Saft zu trinken, gibt es viel mehr Möglichkeiten als nur diese eine Orange.

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1.2 Methode: Kausalitätenkreis Es fällt Ihnen schwer, die Essenz zu finden? Dann ist Ihr idealer Einstieg bereits im Schritt 1 dieser Methode. Wenn Sie eher zu viele Essenzen gefunden haben, können Sie direkt mit Schritt 2 beginnen. Schritt 1: Clustern Beginnen Sie mit einem schriftlichen Brainstorming: Sie erhalten jede(r) einen Stapel Moderationskarten, auf die Sie jeweils Ihre Gedanken aufschreiben. Die Regel hierfür lautet 1/3/7 – also pro Karte 1 Gedanke, max. 3 Zeilen, max. 7 Worte. Eine hilfreiche Frage könnte sein: „Denken Sie an Ihre Schule in 10 Jahren – der Transformationsprozess war erfolgreich. Wie ist sie nun?“. Sie können aber auch über das bereits Erreichte einsteigen: „Was ist Ihnen von dem, was Sie bisher entdeckt / erarbeitet haben, besonders wichtig?“. Jede Person schreibt in 5-7 Minuten alles auf, was ihr/ihm wichtig ist. Dann kommen Sie zusammen und clustern. Das bedeutet, dass Sie Karten mit ähnlichen Themen zusammenfügen und schließlich für die Cluster bzw. jeweiligen Kartengruppen Überschriften finden. Den besten Arbeitsplatz bietet hierfür in der Regel der Fußboden, denn dieser gibt Ihnen die Möglichkeit, schnell Karten zu verschieben. Sortieren und schieben Sie so lange, bis Sie zufrieden sind. Es kann sein, dass unter einigen Unterschriften viele Karten liegen, unter anderen nur eine oder zwei. Das macht aber nichts, da es hier nicht um gleichmäßige Verteilung geht.

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Schritt 2: Kausalitäten abstimmen Nehmen Sie nun Ihre Clusterüberschriften (oder, wenn Sie direkt hier einsteigen, Ihre schon erarbeiteten Essenzen – einzeln auf Moderationskarten geschrieben) und hängen Sie diese in einem großen Kreis auf (an Stellwänden oder an den Wänden). Nun schreiben Sie neben jede Karte ein A, für Ausgang und ein E, für Eingang. Beginnen Sie anschließend mit einer beliebigen Karte und fragen Sie im Zusammenhang mit jeder anderen Karte nach deren Kausalitätsrichtung. Zum Beispiel: Auf Ihrer Karte steht „Alle Kinder gehen gerne zur Schule“. Auf einer anderen steht „generationsübergreifendes Lernen“. Ihre Frage lautet dann: „Wenn alle Kinder gerne zur Schule gehen, wird dann das generationsübergreifende Lernen zunehmen? Oder abnehmen? Oder gibt es keinen Zusammenhang?“ Sie können jede Frage, also jeden Kausalitätszusammenhang, ein bis zwei Minuten diskutieren – jedoch nicht länger. Es sind viele Fragen, und keine Frage ist so essentiell wichtig, dass Sie dafür einen Konsens benötigen würden. Stimmen Sie also relativ schnell ab, nachdem Sie drei bis vier Argumentationslogiken gehört haben. Wenn Sie eine Kausalität feststellen, malen Sie einen Pfeil von der Ursache zur Wirkung und machen Sie bei der Ursache einen Strich hinter A, bei der Wirkung einen Strich hinter E. So arbeiten Sie sich durch den gesamten Kreis, bis Sie jede Karte mit jeder anderen verbunden haben (bzw. beschlossen haben, dass es keine Verbindung gibt). Nun können Sie die Karten in 2 Kategorien aufteilen: in diejenigen, die mehr Eingänge haben – das sind Ihre Ziele. Und in diejenigen, die mehr Ausgänge haben – das sind Ihre Hebel. Die Konzentration auf die Hebel wird Sie zu den Zielen führen. Die Kategorie der Hebel ist handlungsbezogener und somit die „Essenz“, die Sie für die weitere Planung anwenden können. Die Kategorie der Ziele umfasst das große Ziel, welches Sie in Ihre Kommunikation mit einfließen lassen sollten. PS: Übrigens eignet sich diese Methode auch wunderbar, um einen Methode: one-pager zu formulieren, da sowohl Ziele als auch Ansätze damit herausgearbeitet werden können: „Wir möchten … Und wir werden dies erreichen, indem wir …“. Phase V Die Verführung from Schule im Aufbruch on Vimeo. Hinweis: Sie können sich das gesamte Kapitel “Essenz” als PDF herunterladen.

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