II. Stärken und Träume

Hinweis: Sie können sich das gesamte Kapitel 2 “Stärken und Träume” als PDF herunterladen. 2.-Stärken-und-Träume_550-m7g0b399nf491zfaxt4pt1rd9w7rhwggrli4ka6m10
Sei dir deiner Kräfte, Bedürfnisse und Möglichkeiten bewusst, dann wirst du auf dem Weg, den du beschreitest, einen Gefährten haben. Tibetische Weisheit
Phase II Träumen & Stärken 03 from Schule im Aufbruch on Vimeo. Sie sind nicht (mehr) alleine. Sie haben ein paar Gleichgesinnte gefunden, und Sie wollen gemeinsam den Weg beschreiten. Sie haben das Gefühl, eine ähnliche Vision zu haben, einen ähnlichen Wunsch nach Veränderung, nach Transformation. Es ist hier nicht notwendig, in einer großen Gruppe zu beginnen: eine Bewegung beginnt bereits mit der zweiten Person, die mitmacht – das bestätigt auch Derek Sivers in seiner kurzen Rede „wie man eine Bewegung startet“. www.ted.com/talks/lang/de/derek_sivers_how_to_start_a_movement.html In dieser Phase geht es darum, das „Wir“ zu stärken: durch ein klares: Schritt: „JA! Wir wollen!“, durch den Austausch Ihrer persönlichen Träume und die damit einhergehende Entwicklung eines gemeinsamen Traumes und durch den Austausch über die Stärken und die Potenziale Ihrer Schule. Denn Potenzialentfaltung funktioniert nicht nur für Menschen, sondern auch für Organisationen und andere Systeme.

Inhalt:

1. Ja zum Wir 1.1 Methode: Scrabble 1.2 Methode: Wandzeitung 2. Stärken 2.1 Methode: Wertschätzende Interviews 2.2 Methode: Die Anti-Schule 3. Träumen 3.1 Methode: Die Traumschule 3.2 Methode: Detailfragen 1. Ja zum Wir Das klare „JA!“ erfordert nur eine gemeinsame Minute und ist doch ein so bedeutender Schritt. Sie haben hier nun die Möglichkeit, von Anfang an das Zelebrieren einzelner Schritte als Form der Zusammenarbeit zu etablieren. Dadurch schaffen Sie nicht nur Raum, um das schon Erreichte zu würdigen. Sie schaffen auch Raum für gute Beziehungen, Vertrauen und gegenseitige Anerkennung. Wie schnell geht dies sonst in der Hektik des (Schul-)Alltags unter! 2.1.-Ja-zum-Wir_550-m7fplzrnnxy6h8ssmuk7rq5vtwb4y2ndhjlpe764v8 Nehmen Sie sich also gemeinsam einen Moment Zeit. Es ist schon ganz viel passiert: Sie haben sich gefunden! Es gibt Grund, sich zu freuen! Feiern Sie diesen ersten Schritt. Sagen Sie klar und deutlich zueinander:
„Ja. Wir machen uns gemeinsam auf den Weg.“
Diese erste gemeinsame Handlung setzt Ihre erste Tradition, also überlegen Sie sich gut, was Sie machen wollen. Möchten Sie essen gehen? Einfach nur anstoßen? Ein schon bestehendes Ritual der Schule aufnehmen oder adaptieren? Gemeinsam spazieren gehen? Ein Foto oder eine Videoaufnahme machen? Einen gemeinsamen Eintrag auf der Schule im Aufbruch-Plattform machen und sich anderen als Initiative vorstellen? Achten Sie darauf, dass Sie aus vollem Herzen JA! sagen können.
Gehe ich vor dir, dann weiß ich nicht, ob ich dich auf den richtigen Weg bringe. Gehst du vor mir, dann weiß ich nicht, ob du mich auf den richtigen Weg bringst. Gehe ich neben dir, werden wir gemeinsam den richtigen Weg finden. Südafrikanische Weisheit
Das heißt nicht, dass Sie keine Bedenken haben. Sie sagen hier JA! zum gemeinsamen Versuch und dazu gehört auch das JA! zum erfolgreichen Scheitern. Erfolgreich deshalb, weil es so gesehen gar kein Scheitern gibt: Wer sich auf Veränderung und auf einen lebendigen Lernprozess einlässt, wird immer auch „Fehler“ machen. Versuch und Irrtum gehören zum Gelingen dazu. Wenn Sie diese JA! noch nicht sicher sagen können, nehmen Sie sich gemeinsam Zeit, über Ihre Unsicherheiten zu sprechen. Das Besprechen von Hoffnungen, Erwartungen und Befürchtungen steht am Anfang eines jeden Prozesses und jeder Prozessbegleiter wird Ihnen bestätigen: Lässt man diesen Schritt aus, meldet er sich später wieder – nur mit mehr Emotionalität. Stehen also Bedenken im Raum, sprechen Sie offen darüber, doch immer auch in Verbindung mit Ihren Erwartungen. Hoffnungen und Befürchtungen sind die beiden Seiten derselben Medaille. Geben Sie beidem Raum. Visualisieren Sie die Ergebnisse und heben Sie sie unbedingt für Phase III Gemeinschaft auf, hier können Sie daraus Regeln für Ihr Miteinander ableiten.

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1.1 Methode: Scrabble Nehmen Sie zwei Flipchartblätter und schreiben Sie von oben nach unten in großen Buchstaben auf das erste Blatt das Wort „Erwartungen“, auf das zweite das Wort „Befürchtungen“. Nun dürfen Sie sich jede(r) einen Stift nehmen und (kreuz und quer) Worte anfügen, die Ihnen zu „Erwartungen“ und „Befürchtungen“ einfallen. Lassen Sie sich dafür – schweigend – genug Zeit. Wenn niemand mehr ein Wort hinzufügt, betrachten Sie Ihr Werk. Stellen Sie Fragen, wenn Sie etwas nicht genau einordnen können. Welche Erkenntnisse haben Sie? Was zeigt sich als größeres Bild? 2.1.1-Scrabble_550-m7fpm1nc1m0r4gq2bvdgwpot0o1vdguu5swocr3d9gDie Scrabble Methode können Sie immer dann benutzen, wenn Sie einen Begriff von vielen Seiten beleuchten und erst einmal viele Gedanken dazu in den Raum holen möchten, – ohne zu viele Worte machen zu müssen.    

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1.2 Methode: Wandzeitung Hängen Sie so pro anwesende Person ein Flipchartblatt an die Wände. Verteilen Sie die Überschriften „Erwartungen“,„Befürchtungen“ und „Hoffnungen“ gleichmäßig über die Blätter (und keine Sorge, es ist egal, wenn es nicht genau aufgeht). 2.1.2-Wandzeitung_550-m7fpm2l68g21g2op6ds3h7g9m1x8l5ykhxk5u11yoiNun bestimmen Sie einen Zeitwächter (viele Handys haben inzwischen Stoppuhren und bieten eine tolle Unterstützung. Falls vorhanden: Statten Sie den Zeitwächter damit aus!) Nun verteilen Sie sich über den Raum: jeweils eine Person zu einem Flipchartblatt, ausgestattet mit einem Stift. Alle 30 Sekunden wird der Zeitwächter ein Zeichen geben, dass jeder im Uhrzeigersinn ein Blatt weitergeht. In diesen 30 Sekunden denken Sie über die Überschrift vor Ihnen nach und schreiben so viel oder wenig auf das Blatt, wie Ihnen dazu einfällt. Nach 2-3 Runden durch den Raum hören Sie auf. Legen Sie die Stifte weg und betrachten Sie Ihr Werk. Nun berichten Sie alle. Seien Sie dabei gemeinsam so achtsam, dass nicht immer dieselben Personen reden, sondern wirklich alle gehört werden! Was berührt Sie besonders? Was besorgt Sie (nicht)? Welche Nachfragen haben Sie? Was haben Sie festgestellt?

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2. Stärken Potenzialentfaltung ist wesentlich mit der Entwicklung von Stärken verbunden – weniger mit der Beseitigung oder Korrektur von Schwächen. Das heißt nicht, dass Sie in einen falschen Positivismus verfallen müssen. Es bedeutet vielmehr, dass Sie Ihre Wahrnehmung von Stärken (bei sich, bei anderen, bei Organisationen, etc.) intensivieren, ohne dabei blind für alles andere zu werden. So sind wir jedoch üblicherweise nicht sozialisiert. Wir sind eher darauf trainiert, die Fehler zu suchen. Doch, keine Sorge, wir können uns umgewöhnen. 2.2.-Stärken_550-m7g0yiehxt6gc7el6fl2fmzu4is0aefozioo1hggq8 Man muss sich durch die kleinen Gedanken, die einen ärgern, immer wieder hindurchfinden zu den großen Gedanken, die einen stärken. Dietrich Bonhoeffer     Für den Prozess ist aus vielerlei Hinsicht wichtig, dass Sie sich frühzeitig mit den Stärken Ihrer Schule befassen: • Für die Entfaltung des Potenzials Ihrer Schule benötigen Sie eine große Klarheit über die bereits angelegten Stärken und Potenziale – sie bilden das Fundament aller späteren Arbeit. • Es gibt kaum eine größere Energie- und Zeitverschwendung, als bei Transformationsprozessen das Gute „wegzuverbessern“ – um das zu verhindern, müssen Sie das Gute kennen. • Ihre Initiative benötigt die Fähigkeit, immer wieder bewusst Stärken und Erfolge wahrzunehmen, um langfristig mit Freude und Motivation bestehen zu können – das muss trainiert und als Normalität im Miteinander installiert werden. Das, wonach Sie fragen, bestimmt die Richtung Ihrer Aufmerksamkeit und beeinflusst die Richtung, in die Sie Ihre Schritte lenken. Zu fragen „Was funktioniert?“ und nicht: „Was funktioniert nicht?“ ist eine grundlegende Weichenstellung für alle Ihre weiteren Schritte. Was ist mit Stärken gemeint? Das müssen nicht die großen Dinge sein, die Ihre Schule im Vergleich zu anderen Schulen herausragend macht, nicht die Leuchttürme der Exzellenz. Vielmehr sind es Dinge, die so gut funktionieren, dass Sie diese im Alltag gerne vergessen oder übersehen. Es sind die Qualitäten, die so selbstverständlich für Sie sind, dass Sie gar nicht mehr hinschauen. Indizien dafür können Situationen oder Momente im Schulalltag sein, in denen Sie sich lebendig oder entspannt fühlen. Das kann die Normalität sein, mit der ältere Schüler den Jüngeren helfen. Oder das gute Essen. Die Blumen, die von Eltern gegossen werden. Die Fähigkeit des Kollegiums, die Kinder zu sehen. Das Häuschen auf dem Hof, das den Kleinsten als Heimat dient. Die Stühle, auf denen man tatsächlich länger sitzen kann … Stärken sind nicht per se Stärken. Abhängig von der Umgebung oder von bestimmten Vorstellungen, die wir haben, kann eine Eigenschaft als Stärke oder als Schwäche erscheinen. Eckart von Hirschhausen erklärt das sehr anschaulich mit Hilfe eines Pinguins (siehe YouTube: Eckart von Hirschhausen über Stärken und Schwächen). Richten Sie Ihren Blick also immer auch auf die Dinge, die vielleicht auf den ersten Blick störend erscheinen und sehen Sie ein zweites Mal hin: Könnte dies, unter anderen Gegebenheiten, vielleicht auch eine Stärke sein? Was müsste sich ändern, damit diese Stärke zum Vorschein kommen kann?

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2.1 Methode: Wertschätzende Interviews Appreciative Inquiry (AI) ist ein Verfahren für Organisationsentwicklung, das ausschließlich auf den Stärken und Erfolgen einer Organisation aufbaut. Es bewirkt Veränderung. „Appreciative“ bedeutet „anerkennend“ oder „wertschätzend“. Und „Inquiry“ bezieht sich hier auf eine Untersuchung der Realität mit einer offenen und unvoreingenommenen Grundhaltung. Das wertschätzende Interview ist ein wesentlicher Bestandteil der Anfangsphase dieses Verfahrens. Es dient dazu, das Beste von dem „was ist“ anhand lebendiger Geschichten aus dem Alltag einer Organisation mit allen Teilnehmenden herauszuarbeiten. Das Deutsche Kinderhilfswerk hat einen großen Methodenschatz für Schulen und Kinder aufgearbeitet, darunter auch Appreciative Inquiry (http://www.kinderpolitik.de/methodendatenbank). Wie verlaufen diese wertschätzenden Interviews? Als Interviewer stellen Sie sich vor, Sie sind Perlentaucher und machen sich nun auf die Suche nach den Schätzen, die in Ihrer Schule verborgen sind. Mit dieser Haltung wenden Sie sich Ihrem Gegenüber zu und begleiten ihn/sie mit aufmerksamem Zuhören und Fragen durch die Erzählung seiner drei bis fünf Erfolgsgeschichten. Ihr Gegenüber hat folgende Aufgabe: • Beschreiben Sie eine Situation, die Sie selbst (als Beobachter oder Beteiligte) an dieser Schule miterlebt haben und die Sie inspiriert, positiv beeindruckt, gefreut oder gerührt hat. • Wer war beteiligt? Was hat diese Begebenheit ermöglicht? Wenn Sie möchten, können Sie anschließend zur Ergebnissicherung auch schon gemeinsam in die Zukunft hinein denken: • Was können wir tun, um noch mehr von diesen positiven Situationen in Zukunft zu ermöglichen? • Welche Einstellung hilft uns dabei? Für die Person, die interviewt, noch ein paar Hilfestellungen: • Es geht (in diesem Moment) um Ihren Gesprächspartner, nicht um Sie. Achten Sie darauf, sich nicht „anstecken“ zu lassen und mit persönlichen Anekdoten oder Meinungen dazwischen zu gehen. Konzentrieren Sie sich aufs Zuhören und aufs Fragen stellen. • Sie wollen Schätze des Erfolges heben, nicht ins „Meckern“ verfallen. Achten Sie darauf, dass Ihr Gegenüber bei Erfolgsgeschichten bleibt und führen Sie ggfs. das Gespräch liebevoll zurück zu den Stärken und ihrer Analyse. • Sie möchten 3-5 Geschichten innerhalb von ca. 20 Minuten durchgehen. Achten Sie also auch auf die Zeit während des Interviews. Ihr Gegenüber sollte weder oberflächlich in einer Minute eine Geschichte abarbeiten, noch über 10 Minuten bei einer Geschichte bleiben. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit für die Interviews. Arbeiten Sie in Dreiergruppen: Eine Person wird interviewt, eine Person führt das Gespräch und die dritte Person schreibt alles auf, was sie/ihn inspiriert. Wechseln Sie dann die Rollen. Im Anschluss stellen Sie einander Ihre Schätze aus den verschiedenen Gruppen vor. Halten Sie die Ergebnisse fest. Sie werden diese spätestens in der Phase VI Design wieder benötigen.

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2.2 Methode: Die Anti-Schule Was passiert, wenn Sie sich von den Erfolgsgeschichten anderer inspirieren lassen? Es kann auch schnell mal der Eindruck entstehen, dass es überall anders besser läuft – viel besser, als an Ihrer Schule. Die Methode Anti-Schule dreht dieses Wahrnehmungsmuster einfach um und führt Sie auf ungewöhnlichen Wegen zu Ihren Stärken: indem Sie sich mit den Schwächen anderer Schulen vergleichen. Das können Sie ganz einfach mithilfe real existierender Schulen machen – denn es gibt tatsächlich viele Berichte über die „schlechtesten Schulen der Welt“, zum Beispiel auch ein Ranking des NDR (YouTube: die schlimmsten Schulen des Nordens – Extra 3). 2.2.2-die-Anti-Schule_550-m7fpm5eosy5wewklpwzz6oqne7jc899ribim9uxsscSpannender ist es jedoch mit der so genannten „AntiSchule“: Setzen Sie sich um ein großes Flipchartblatt, auf dem Stifte liegen. Nun überlegen Sie gemeinsam: Wie sähe die schlimmste denkbare Schule der Welt aus? Seien Sie hierbei so konkret wie möglich und haben Sie keine Angst vor Albernheiten: Die Toiletten sind ewig verstopft. Die Lehrer stinken nach Knoblauch und Alkohol, wenn sie überhaupt erscheinen. Dreiviertel aller Schüler werden von den anderen täglich verprügelt … Schreiben kann, wer gerade will. Achten Sie als Gruppe darauf, dass wirklich alles aufgeschrieben wird, was zu Wort kommt. Und denken Sie daran: Dies ist eine Form von Brainstorming: „Kreativitäts-Schübe“ kommen immer in mindestens zwei Wellen. Wenn also eine längere Pause entsteht, in der die Ideen scheinbar versiegt sind, warten Sie noch einen Moment ab. Es wird wieder losgehen. Erst bei der zweiten oder dritten „Flaute“ ist es wirklich vorbei. Im Anschluss betrachten Sie Ihr Blatt / Ihre Blätter. Hat sich dadurch Ihre Sicht auf die Stärken Ihrer Schule geändert? Sammeln Sie alle Stärken, die Ihnen jetzt einfallen und schreiben Sie auch hier alles auf, was zu Wort kommt. Halten Sie die Ergebnisse für die Phase VI Design fest.

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3. Träumen Das gemeinsame Träumen dient als Basis in vielen Prozessen. Für die Zukunftswerkstatt wurde der schöne Begriff „Potenzial sozialer Fantasie“ geprägt: Der Traum ist der Weg zur Vision, die Vision der Weg zu den Zielen, das Ziel der Weg zur Handlung. Ihre Vision und konkreten Ziele werden Sie erst später mit mehr Leuten gemeinsam ersinnen, siehe Phase V Essenz. Jetzt legen Sie aber bereits das Fundament dafür: Sie entdecken Ihre persönlichen Träume und verbinden diese zu einem gemeinsamen Traum.
Wenn ich allein träume, ist es nur ein Traum. Wenn wir gemeinsam träumen, ist es der Anfang der Wirklichkeit. Brasilianisches Sprichwort
Das Besondere am Traum ist seine Grenzenlosigkeit. Das Träumen gibt Ihnen die einmalige Chance, Ihren innersten Sehnsüchten auf den Grund zu gehen, ganz ohne die Begrenzungen der Realität beachten zu müssen. Das macht das Träumen nicht leicht, denn in der Regel halten wir nicht sonderlich viel von Träumen, wenn wir nicht gleich die Realisierungsfrage mit beantworten können. Das ist auch nicht falsch, führt aber gleichzeitig zu einer leider wirkungsvollen Schere im Kopf! Wir denken nur noch an das, was wir schon kennen oder woran wir uns gewöhnt haben.
Leben heißt träumen; weise sein heißt angenehm träumen. Friedrich von Schiller
Träume hingegen sind kleine Helfer, die unseren Horizont wieder weiten. Träumen kann Sie wieder mit Wünschen und Sehnsüchten in Berührung bringen, die der Alltag verschüttet hat. Oder mit all dem, was Ihnen jenseits von Erwartungen, äußeren Zwängen und Gewohnheiten wichtig ist. Beim Träumen haben Sie die Erlaubnis, unschuldig wie ein Kind und mit leuchtenden Augen Zukunftsbilder in sich aufsteigen zu lassen, die Ihnen eine Gänsehaut machen – und vielleicht stellen Sie dann sogar fest, dass sie diesen Traum mit anderen teilen. Das gemeinsame Träumen stärkt Ihr Gefühl für das, was Ihnen allen wichtig ist und was entstehen soll. Es gibt eine Richtung vor, ohne dass sie diese schon konkret benennen müssen. Ebenso wie bei dem Schritt: Stärken spielt hier Ihre „Prozessdisziplin“ und das Einlassen eine große Rolle für den Erfolg. Die Stärken entdecken Sie nur, wenn Sie sich gegenseitig dabei unterstützen, nicht in den Schwächen zu „versinken“.
Wenn wir uns von unseren Träumen leiten lassen, wird der Erfolg all unsere Erwartungen übertreffen. Henry David Thoreau
Den Traum erreichen Sie nur, wenn Sie sich gegenseitig darin unterstützen, das „ABER“ für eine kurze Zeit abzulegen. Räumen Sie stattdessen der Fantasie für ein paar Stunden die führende Rolle ein. Dabei sollten Sie spielerisch darauf achten, dass Sie beim Fantasieren in Verbindung mit sich selbst und Ihren Sehnsüchten bleiben. Nur so finden Sie die Träume, die Ihnen wirklich etwas bedeuten.
Träume Dir das Leben schön und mache aus diesen Träumen eine Realität. Marie Curie

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3.1 Methode: Die Traumschule Diese Methode ist angelehnt an eine Übung aus Betzavta, einem Demokratietraining des Adam Instituts (http://www.adaminstitute.org.il) aus Israel. Sie benötigen Wachsmalstifte, Scheren, Klebstoff, A4-Papier und Flipchartblätter. 2.3.1-Traumschule_550-m7fpm7ad6m8h24hvext8bo9kkza2nnh86ktl8euzyoIm ersten Schritt setzen Sie sich zehn Minuten alleine vor ein A4-Blatt und malen Ihre Traumschule. Die einzigen Anweisungen hierzu sind: Malen Sie das gesamte Blatt aus und verwenden Sie dabei keine Worte. Nehmen Sie so viele Farben wie Sie wollen und malen Sie so detailgetreu wie es Ihnen wichtig ist – und sprechen Sie in diesen zehn Minuten nicht miteinander. Dann kommen Sie wieder zusammen und stellen nacheinander Ihre Traumschulen vor (ca. drei bis fünf Minuten pro Person). Erwähnen Sie alles, was Ihnen wichtig ist. Fragen Sie nach, wenn Ihnen etwas unklar ist. Alle sollten die Träume aller richtig gut nachvollziehen können. Nun nehmen Sie ein Flipchartblatt, Scheren und Klebestifte und basteln aus Ihren Einzelträumen eine gemeinsame Schule! Sie dürfen nichts Neues mehr dazu malen, können aber alles beliebig kombinieren und anmalen. Achten Sie gemeinsam darauf, dass all die Dinge, die einzelnen Personen besonders wichtig waren, mit aufs Bild kommen.
Wer keinen Mut hat zum Träumen, hat auch keine Kraft zum Kämpfen. Afrikanische Weisheit

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3.2 Methode: Detailfragen Träume sind meist sehr bildhaft. Der Weg unserer Sehnsucht (Gefühl) zum Traum (Bild) benötigt daher Farbe und Form. Hierbei können Sie sich gegenseitig im Zweiergespräch helfen. Setzen Sie sich in Zweier- oder Dreiergruppen zusammen. Jede Person erhält 20 Minuten aktive, unterstützte Traumzeit. 2.3.2-Detailfragen_550-m7fpm887dg9rdqgi9g7uw6116d5fvckyiph2potm8kSie erzählen so gut Sie können von Ihrer Traumschule und die andere(n) Person(en) helfen Ihnen mit ganz konkreten Fragen: Welche Farbe haben die Vorhänge? Mit welchem Stift schreiben die Kinder? Was hat das Kind vorne links an? Welche Pflanzen sind wo auf dem Schulhof? Je kleinteiliger die Frage, desto besser hilft sie dem Gegenüber, ein klares, inneres Bild zu entwickeln, das für den zukünftigen Prozess belastbar ist. Achten Sie als Fragensteller darauf, dass nicht alle Fragen in einem Bereich liegen, wie zum Beispiel im Bereich der Einrichtung. Es ist hilfreich, sich vorher eine Liste mit Bereichen zu machen, an die Sie denken wollen (Aussehen der Räume und Außenanlagen, die Beziehung zwischen den Eltern und Lehrern, Lernformen, Ausstrahlung der Kinder, die Zusammenarbeit des Kollegiums, …). Wenn jeder seine „Traumzeit“ hatte, treffen Sie sich in der großen Runde und erzählen Sie alle nacheinander von den Momenten, die Sie besonders beeindruckt haben – sowohl bei Ihrem eigenen Traum als auch bei den Träumen, bei dessen Entstehung Sie anwesend sein durften. Hinweis: Sie können sich das gesamte Kapitel “Stärken und Träume” als PDF herunterladen.

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